PGR-Konstituierung nicht möglich

Pfarrer Pawel Marniak zeigt eines der defekten Wahlkuverts
Pfarrer Pawel Marniak zeigt eines der defekten Wahlkuverts

Am 19. März wurde wie in ganz Österreich auch in Baumgarten ein neuer Pfarrgemeinderat gewählt. Zu einer Verzögerung kommt es dabei jetzt leider aus formalrechtlichen Gründen bei der Angelobung des PGRs in unserer Pfarre, wie uns vor kurzem vonseiten der Erzdiözese Wien mitgeteilt wurde. Grund dafür sind die Briefwahlstimmen, deren Prüfung auf Gültigkeit nun bei der kanonischen Rechtskammer des Pastoralamtes abgewartet werden muss. Von den 309 bei der PGR-Wahl abgegebenen Stimmen wurden 14 per Post abgegeben, was hauptsächlich von Auslandsbaumgartnern genützt wurde und seit 2012 in der Wahlordnung vorgesehen ist. Bei drei dieser Briefwahlstimmen löste sich die Verklebung des Wahlkuverts vor der Stimmauszählung teilweise auf, sodass nun die Sicherstellung der anonymen Stimmabgabe nachträglich infrage gestellt wird. Auch wenn sich die Zusammensetzung des neuen Pfarrgemeinderates aufgrund der wenigen betroffenen Stimmen nicht mehr ändern kann, ist die Gültigkeitserklärung der Erzdiözese abzuwarten, ehe der neue PGR sein Amt antreten kann. Der alte Pfarrgemeinderat wurde bereits formal entlassen, mit einer Entscheidung der Diözese ist in den nächsten 9 Wochen zu rechnen.

 

Ursprung des Problems mit den Wahlkuverts dürfte der eingesetzte Klebstoff sein. Aus Kostengründen wurden Ober- und Unterteil von der diözesanen Druckerei lose angeliefert, das Verkleben wurde jedoch durch ehrenamtliche Helfer, im Fall Baumgartens durch die Jungschar, durchgeführt. Pfarrer Pawel Marniak dazu: „Ich hatte eigens einen Spezialkleber aus Polen bestellt, leider hat man aber nicht auf mich gehört und etwas anderes verwendet.“ Die Jungscharverantwortlichen hatten statt des polnischen Klebstoffs einen von der Dreikönigsaktion zur Verfügung gestellten veganen EZA-Klebstoff eingesetzt und beteuern, dass zum Zeitpunkt der Vorarbeiten keinerlei Beschädigung ersichtlich war: „Wir setzen den Klebstoff seit Jahren ohne Probleme für unsere Jungscharbuttons ein, die alle Gewinnerinnen und Gewinner, also alle Kinder, bei unseren Spielen, erhalten.“ Vermutet wird jetzt, dass die unsachgemäße Lagerung der Kuverts im Kasten über dem Backrohr des Jugendkellers den Klebstoff aufgeweicht haben könnte.

 

Wie die Wahlkommission mitteilt, wird in den Wochen bis zur Entscheidung durch die Rechtskammer zwar das pastorale Pfarrleben ungehindert fortgeführt werden können, erheblichen Einfluss hat die Verzögerung jedoch auf die finanziellen Angelegenheiten der Pfarre, da sich bis auf weiteres auch der Vermögensverwaltungsrat (wird vom PGR bestimmt) nicht konstituieren kann, jedoch das Budget für das laufende Jahr bis 30. April beschlossen werden muss. Für einen Fall wie diesen sieht die kanonische Rechtsordnung in §41 Abs. 17 folgende Regelung vor: „Ist eine Konstituierung des neu gewählten Pfarrgemeinderates nicht innerhalb des in §7 vorgesehenen Fristenlaufes möglich, ist der Pfarrgemeinderat einer anderen Pfarre der Erzdiözese Wien vorübergehend zur Fortführung der vermögensrechtlichen Geschäfte zu bevollmächtigen. Dabei übernimmt jener Pfarrgemeinderat die Beschlussfähigkeit über die betroffene Pfarre, dessen Pfarrname dem Pfarrnamen der betroffenen Pfarre im diözesanen Pfarrverzeichnis alphabetisch direkt vorgereiht ist.“

 

Für Baumgarten bedeutet das nun die vorübergehende Verwaltung durch einen anderen PGR. Baumgarten alphabetisch direkt vorgereiht ist die Pfarre Baden (St. Stephan) im Vikariat Süd. Deren Pfarrer Clemens Abrahamowicz zeigt sich zwar gesprächsbereit, ließ das Pfarramt St. Anna jedoch schriftlich wissen: „An eine Übernahme der Verschuldung, die sich Baumgarten im Rahmen des Rampenbaus aufgeladen hat, durch unsere schöne Pfarre Baden ist nicht zu denken, auch wenn unsere Pfarrbudgets für einige Wochen verwoben sein mögen. Ich stehe dem Kirchenchor zu St. Stephan im Wort und schon allein die Finanzierung der emailgefertigten Krippe für Weihnachten wird nicht leicht in meinem Pfarrgemeinderat durchzubringen sein. Ich begleite aber meine Brüder und Schwestern in Baumgarten gerne jeden Freitag im Gebet.“ Von einer Übernahme der Rampenkosten durch Baden sei laut unserem Pfarrsekretariat aber ohnehin nie ausgegangen worden. Pfarrsekretärin Christine Szedenik äußert Sorgen, die in die gegenteilige Richtung gehen: „Aus sicherer Quelle weiß ich, dass Badens Pfarrer Clemens Abrahamowicz für die Palmsonntagsprozession erstmals südfranzösische Albino-Alpakas kommen lässt. Wir werden uns sehr genau anschauen, ob Baumgartens Budget dafür angezapft wird.“ Pfarrer Pawel Marniak hofft indessen auf eine Kompromisslösung mit der Erzdiözese, sodass vielleicht zumindest Oberbaumgarten, das mit uns einen Entwicklungsraum teilt, statt Baden die interimistische Mitverwaltung unserer Pfarre übernehmen kann, bis eine Entscheidung über die Briefwahlstimmen gefallen ist und der neue Pfarrgemeinderat endlich seine Arbeit aufnehmen kann. Unklar bleibt auch, welche Verwendung für den Spezialklebstoff aus Polen gefunden wird. Doch das ist zurzeit Baumgartens geringstes Problem. Wir wünschen unserem Pfarrgemeinderat viel Kraft und Geduld und hoffen auf eine baldige Lösung.

 

Update: Mittlerweile hat sich Kardinal Schönborn in einem Hirtenbrief an die Pfarren Baumgarten und Baden gewandt. Lesen Sie hier, welche unerwartete Lösung er vorschlägt.