Die Geschichte der Pfarre Heilige Mutter Teresa

und ihrer Teilgemeinden Baumgarten und Oberbaumgarten

Bereits im Mittelalter wird ein Kirchlein erwähnt.
Bereits im Mittelalter wird ein Kirchlein erwähnt.

Die älteste Erwähnung eines Kirchleins in Baumgarten findet sich in einer Grundbucheintragung von 1495, wo von einem „Haus nächst der Kapelle“ die Rede ist. Das alte St.-Anna-Kirchlein hat noch einen hölzernen Glockenturm, der erst 1860 durch den gemauerten Kirchturm, wie wir ihn von Bildern her kennen, ersetzt wird. Das Foto lässt neben dem Eingang eine Nische erkennen, in der sich der „Höritzer-Epitaph“ - eine gotische Darstellung der „Anna Selbdritt“ - befindet. Dies dürfte zu der Überlieferung Anlass geben, der genannte Pankraz Höritzer könnte der Stifter dieser Kirche gewesen sein. Dieser Stein befindet sich nunmehr an der Innenwand des westlichen Seitenschiffs unserer heutigen St.-Anna-Kirche.

 

Der sogenannte "Höritzer-Epitaph"
Der sogenannte "Höritzer-Epitaph"

Aus dem Jahre 1881 ist eine Chronik-Eintragung erhalten, die einen anschaulichen Einblick in die damaligen Verhältnisse vermittelt:

Chronik-Eintrag aus dem 19. Jahrhundert
Chronik-Eintrag aus dem 19. Jahrhundert

„In den ältesten Zeiten wurde von der Mutterkirche Penzing ein Priester hierher geschickt, der auf Kosten der Gemeinde wöchentlich zweimal das Hl. Messopfer verrichten musste. Für die Erhaltung der Kirche selbst sorgte eine eigene Zeche (Bruderschaft), die den Ertrag von zwei Weingärten dazu verwendete. Im Jahre 1529 brannten die Türken den Ort und die Kirche nieder. Letztere war noch im Jahre 1544 ohne Dach. [...] Ein großer Teil der Bewohner von Penzing, Breitensee und Hernals hing bereits der neuen [lutherischen] Lehre an und [ein] Prediger [erschien] in Baumgarten, um auch die hiesige Gemeinde zum Übertritt zu bewegen [...]. Kein Wunder also, dass noch im Jahre 1562 die Kirche in elendem Zustande [...] und die 3 Altäre nicht konsekriert waren. Auch wurde nur 10mal im Jahr hier Gottesdienst gehalten. Erst im Jahre 1566 konnte ein Weltpriester namens Johann Butschan die Gemeinde bewegen, das Fest der Hl. Anna neuerdings feierlich zu begehen und mit 50 Gulden, die sie gesammelt hatte, auf diesen Tag eine jährliche Messe zu stiften, die aber schon 1679 durch die Pest und 1683 durch den neuerlichen Überfall der Türken unterbrochen wurde und später ganz in Vergessenheit geriet!“

Die neue 500-Seelen-Gemeinde Baumgarten wird gegründet.
Die neue 500-Seelen-Gemeinde Baumgarten wird gegründet.

 

1713 bricht die Pest neuerlich aus. Baumgarten besteht damals aus 44 Häusern, in welchen nur vier Todesfälle zu beklagen sind. Aus Dankbarkeit geloben die Baumgartner, jedes Jahr zur Gnadenmutter von Mariabrunn zu pilgern – ein Gelöbnis, welches bis heute erfüllt wird. Im Zuge der vielfältigen Reformen Kaiser Josephs II. (1741-1790) kommt es auch zu gravierenden Veränderungen im kirchlichen Bereich. Neben der Neueinteilung der Diözesen werden etwa 640 Pfarren neu gegründet. Eine davon ist Baumgarten, eine 500-Seelen-Gemeinde. 

Die alte St.-Anna-Kirche von Innen
Die alte St.-Anna-Kirche von Innen

 

1784 wird die Lostrennung Baumgartens von der bisherigen Mutterpfarre Penzing vollzogen. Genau genommen ist Baumgarten für die nächsten 100 Jahre nur eine „Lokalkaplanei“. Am 23. Dezember 1784 tritt mit Anton Müller der erste Lokalkaplan sein Amt an und seit damals liegen Pfarrgedenkbuch (Chronik), Geburts-, Heirats- und Sterbebücher in der Baumgartner Pfarrkanzlei auf. Mit der Einrichtung der Lokalkaplanei Baumgarten wird auch ein eigener Friedhof notwendig, der sich etwa Ecke Hütteldorfer Straße /Seckendorfstraße befindet. 

 

Einer der letzten Baumgartner, der zuvor noch am Penzinger Friedhof die letzte Ruhestätte findet, soll nicht unerwähnt bleiben. Es ist Jakob Kellner, der am 15. Juni 1785 verstirbt und dem die St.-Anna-Kirche das bis heute erhaltene Zügenglöcklein verdankt. Zwei weitere Glocken bekommt Baumgarten 1787 aus der Kartause Mauerbach dazu. Dies ist das erste Kloster, welches von den josephinischen Klosteraufhebungen betroffen ist. 

 

Der seit 1791 in Baumgarten wirkende Lokalkaplan Ulrich Wieser durchlebt die schweren Jahre der napoleonischen Besetzung Wiens.  1810 resigniert er, und auch sein Nachfolger Joseph Kefer hat vor allem mit finanziellen Sorgen und mit den desolaten Wohnverhältnissen im Pfarrhof zu kämpfen. Die vormals Pfarrhofgasse genannte Kefergasse ist übrigens nach ihm benannt. Er ist nicht der letzte, dem ständige Sorgen und der abgewohnte Pfarrhof die Gesundheit untergraben. 

 

 

 

Die Revolution 1848 bringt für Baumgarten die Gemeindeautonomie. 1851 wird erstmals ein Bürgermeister gewählt. Die Namen der Baumgartner Bürgermeister bis zur Eingemeindung in die Stadt Wien 1891 sind in einigen Straßennamen überliefert: Josef Brustmann (1851 – 1864), Karl Gulden (1865 – 1876), Dominik Zehetner (1877 – 1880), Johann v. Pachmann (1881 – 1884), Eduard Sauermann (1884 – 1891). 

 

Die Eröffnung der Westbahn zehn Jahre später - mit einer eigenen Haltestelle „Baumgarten“ zwischen der Guldengasse und der Kefergasse - und die beginnende Industrialisierung bringen ein sprunghaftes Ansteigen der Bevölkerungsdichte und eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur. 1874 errichten die Gemeinden Fünfhaus, Sechshaus und Rudolfsheim mit Baumgarten den heutigen Baumgartner Friedhof. Aber auch die kleine St.-Anna-Kirche kann die Gläubigen nicht mehr unter ihrem Dach vereinigen. Um 1870 hat Baumgarten 1.150 Einwohner. Nach der Eingemeindung werden es im Jahre 1893 bereits 4.000 und nur 5 Jahre später hat sich die Einwohnerzahl auf 8.000 verdoppelt! Der Bau einer größeren Kirche wird immer dringender.

 

Am 12. November 1898 wird die Gründung eines Kirchenbauvereines beschlossen, welcher die erforderlichen Voraussetzungen für einen Kirchenneubau schaffen soll. Unter Pfarrer Stephan Rosenberger wird bereits am 1. Dezember desselben Jahres - es ist der Vorabend des 50-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josef I. - die Festversammlung zur Gründung des „Kaiser-Jubiläums-Kirchenbauvereines St. Anna“ abgehalten. Wichtigste Aufgabe ist natürlich die Beschaffung eines ausreichend großen und in der Ortsmitte gelegenen Grundstückes und der finanziellen Mittel. Der Baugrund, unmittelbar neben der alten Kirche, wird von Herrn Raimund von Götz, vormals Vizebürgermeister von Baumgarten (er ist der Großvater des Erbauers der 1977 geweihten neuen Orgel!), und von Anna Zehetner und deren Kindern gespendet. Marmortafeln beim Eingang der St.-Anna-Kirche bewahren die dankbare Erinnerung an jene Spender und viele andere Förderer dieses Vorhabens. 

 

Trotz der Spendenfreudigkeit der Baumgartner erkennt man recht bald, dass ein Kirchenneubau aus privaten Spenden allein nicht zu realisieren sei. Es muss außerdem noch an einen neuen Pfarrhof gedacht werden. Wie schon erwähnt, ist der Pfarrhof in der Kefergasse derart desolat, dass Pfarrer Rosenberger im Herbst des Jahres 1899 in eine Privatwohnung in der Linzer Straße übersiedelt. Seine letzte Ruhestätte hat dieser so verdienstvolle Priester auf dem Baumgartner Friedhof unweit des Friedhofskreuzes gefunden. 

 

Am 1. September 1901 wird Carl Eder als Pfarrer von Baumgarten installiert. Noch unter seinem Vorgänger konnten das Grundstück des alten Pfarrhofes an die Gemeinde Wien verkauft und mit dem Erlös die Kosten für den Bauplatz eines neuen Pfarrhofes gedeckt werden. Auch Pfarrer Carl Eder wird sich einige Jahre mit einer Privatwohnung behelfen und auch die Pfarrkanzlei ist provisorisch in einem Privathaus untergebracht. Gegen Jahresende 1903 erreicht er schließlich vom k.-k. Ministerium für Kultus und Unterricht die Finanzierung für den Neubau eines Pfarrhofes, sodass er endlich im Oktober 1904 das neue Pfarrhaus in der Pachmanngasse 10 bezieht. 

 

Für den Kirchenneubau hat man bis 1905 an die 19.000 Kronen aus privaten Spenden zur Verfügung, 350.000 bis 400.000 Kronen sind aber veranschlagt. Eine wesentliche Verbesserung der Situation tritt ein, als Stadtrat Ludwig Zatzka für den Kirchenbauverein gewonnen werden kann. Er ist Referent für Kirchenbauangelegenheiten im Wiener Gemeinderat und bewegt Bürgermeister Karl Lueger dazu, das Ehrenpräsidium des Baumgartner Kirchenbauvereines zu übernehmen. Herr Zatzka entstammt einer alteingesessenen Baumeisterfamilie in Breitensee und ist selbst als Erbauer der neuen Breitenseer Pfarrkirche hervorgetreten. Mit seiner Hilfe kann von der Gemeinde Wien die Zusage erwirkt werden, „jenen Betrag, welcher sich [...] beim Neubau der Pfarrkirche St. Josef ob der Laimgrube [in der heutigen Windmühlgasse] in Ersparung bringt, mindestens jedoch 100.000 Kronen zum Zwecke der Erbauung der neuen Pfarrkirche in Baumgarten zur Verfügung zu stellen“.

Der Entwurf von Architekt Franz Biberhofer
Der Entwurf von Architekt Franz Biberhofer

 

Nun kommt auch der „Wiener Allgemeine Kirchenbauverein“ zu Hilfe. Unter dem Präsidium des Kardinal Fürsterzbischofs Anton Josef Gruscha (s. Gruschaplatz als Standort der St.-Anna-Kirche) sichert dieser weitere 100.000 Kronen zu. In der Sitzung des Kirchenbauvereines vom 5. Februar 1906 wird von Stadtrat Zatzka der Architekt Franz Biberhofer präsentiert, der bereits mit der Planung der Kirche befasst ist. Als Anforderung an diesen neuen, großen Kirchenneubau ist zu berücksichtigen, dass für die Soldaten der Landwehrkaserne ( – der Altbau des heutigen Geriatriezentrums Baumgarten und die Bezirksvorstehung – ) vor dem Altar ein entsprechend großer Raum für die Teilnahme am Gottesdienst vorzusehen sei. Dies ist auch der Grund, warum die Kirchenbänke erst bei den hinteren Vierungspfeilern beginnen. Als mit dem II. Vatikanischen Konzil die Volksaltäre eingerichtet werden, wird es wenige Kirchen geben, in denen so reichlich Platz dafür zur Verfügung steht! Aber auch eines der Kirchenfenster mit der Darstellung des Soldatenpatrons Hl. Mauritius erinnert daran, dass die St.-Anna-Kirche als Garnisons-Kirche gebaut ist!

Der Kirchenbau beginnt.
Der Kirchenbau beginnt.

 

 

Unerwartet stirbt Architekt Biberhofer vor Beginn der Bauarbeiten. Mit der Weiterführung des Projektes wird jetzt Architekt M. Otto Kuntschik betraut. Dieser erklärt jedoch, nur ein eigenes, in allen Einzelheiten vollständig neues Projekt ausführen zu wollen. 

 

Sein 4. Entwurf mit den markanten Zwillingstürmen wird dann bei der Bauverhandlung im Juni 1906 genehmigt. Am 10. März 1907 erfolgt der offizielle „Erste Spatenstich“ und am 31. Mai die feierliche Grundsteinlegung. Hierzu sei die Festschrift anlässlich der Kirchweihe zitiert: „Der ganze Bezirk, ja die ganze Stadt nahm daran teil. Die angrenzenden Straßen wallten in Flaggenzier, der Festplatz selbst war künstlerisch geschmückt [...]. Als der Kaiser erschien, scholl lauter Jubel. Ihm folgten die Erzherzöge Franz Ferdinand, Leopold Salvator, Franz Salvator, Friedrich und Rainer, die Minister, der Statthalter, der Bürgermeister etc. Die Grundsteinlegung erfolgte nach den kirchlichen Vorschriften. Se. Exzellenz Herr Weihbischof Godfried Marschall weihte den Mörtel und tat die ersten drei Hammerschläge; nach ihm der Kaiser [...]. In den Grundstein legte man eine Urkunde, die das Wichtigste über den Bau sagt, und je eine der gegenwärtig gebräuchlichen Gold-, Silber-, Nickel- und Bronzemünzen. [...].“

Noch heute feiern wir jährlich am 24. November das Kirchweihfest von St. Anna.
Noch heute feiern wir jährlich am 24. November das Kirchweihfest von St. Anna.

 

 

 

 

 

 

Während des Rohbaus muss sich der Kirchenbauverein nun der Inneneinrichtung zuwenden. Eine Kirche benötigt Glocken, eine Orgel, Kirchenbänke, Beichtstühle, einen Kreuzweg, wenn möglich künstlerisch gestaltete Fenster, die Einrichtung für die Sakristei und vor allem einen würdigen Hochaltar, um nur die (finanziell) größten Posten zu nennen. Am 12. April 1908 können die vom Schlossermeister Josef Hampel gespendeten Turmkreuze und am 9. Mai 1908 vier von der Familie Moßbacher gespendete Glocken geweiht werden. Am 24. November 1908 erleben die Baumgartner die feierliche Weihe der St.-Anna-Kirche.

Sechs Märtyrerreliquien und ein Steinchen vom Felsen, wo sich nach der Überlieferung das Haus des Hl. Joachim und der Hl. Anna im Heiligen Land befunden hatte, sind im Hochaltar eingeschlossen. Wieder ist es Weihbischof G. Marschall, der die Zeremonien leitet und die erste heilige Messe im neuen Gotteshaus zelebriert. In einer Seelenmesse am darauffolgenden Tag wird all jener Wohltäter gedacht, die innerhalb des Jahrzehnts, in welchem dieses Vorhaben ins Werk gesetzt wurde, verstorben sind. Recht bald wird das alte St.-Anna-Kirchlein abgerissen und nur das Hochaltarbild (heute neben dem östlichen Seiteneingang) und der o. g. Höritzer-Epitaph sind bis heute erhalten geblieben. 

 

Der 1. Weltkrieg und der Zerfall der Monarchie bringen für die Menschen tiefgreifende Veränderungen in allen Lebensbereichen. 86 Baumgartner sind aus dem Krieg nicht mehr heimgekehrt. Auch die Kirchenglocken müssen 1916 dem Krieg geopfert werden und erst 1926 werden wieder neue Glocken geweiht. Folgt man der Pfarrchronik, so ist die St.-Anna-Kirche bereits 1925, also nach 17 Jahren, in einem derart schlechten Zustand, dass eine umfassende und kostenintensive Sanierung erforderlich wird, um eine Sperre des Gotteshauses abzuwenden.

 

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs wird auf dem Gebiet des heutigen Hugo-Breitner-Hofs von russischen Kriegsgefangenen ein Barackenlager mit Lazarett errichtet. Nach Kriegsende ziehen Eisenbahnerfamilien, später Delogierte aus ganz Wien in die verwaisten Baracken. Das Gebiet liegt im Pfarrgebiet von Baumgarten, ist aber von der Baumgartner Kirche genau so weit entfernt wie von der Hütteldorfer Kirche.

 

Im August des Jahres 1927 erliegt Pfarrer Carl Eder nach mehr als einem Vierteljahrhundert aufopfernder Tätigkeit in Baumgarten einer Lungenentzündung und findet am Baumgartner Friedhof in der Nähe des Friedhofskreuzes seine letzte Ruhestätte. Am 1. April 1928 übernimmt Rudolf Questel die Leitung der Pfarre Baumgarten.

 

Pfarrer Questel ist laut Chronikeintragungen auch derjenige, auf dessen Anregung hin der „Allgemeine Wiener Kirchenbauverein“ in der Baumgartner Barackensiedlung eine Kapelle zu Ehren des Heiligen Florian errichten lässt. Möglicherweise befand sich auch davor bereits eine diesem Heiligen geweihte Kapelle auf diesem Gebiet. Zunächst wird die St.-Florian-Kapelle seelsorgerisch von Baumgarten aus mitbetreut. Später wirkt dort ein selbständiger Geistlicher, Josef Nowak. Der letzte Seelsorger in der St.-Florian-Kapelle ist ab 1937 der ehemalige Rektor von St. Gabriel, Prof. Dr. Matthias Altemöller.

 

Am 26. November 1933 können die Baumgartner noch das 25-jährige Weihejubiläum ihrer Kirche mit Kardinal Erzbischof Theodor Innitzer feierlich begehen, doch dann folgt das Jahr 1934 mit Bürgerkrieg und Putschversuch der NSDAP.

 

Durch den Anschluss an Hitler-Deutschland schnellt die Anzahl der Kirchenaustritte rasant in die Höhe: in Baumgarten sind es 501 von April bis Ende 1938, im folgenden Jahr 1.213. Durch die Einführung der standesamtlichen Heirat gehen die kirchlichen Eheschließungen in Baumgarten von 96 in der ersten Jahreshälfte auf 5 in der zweiten Jahreshälfte zurück.

 

Kirchliche Veranstaltungen und Seelsorgetätigkeiten werden fast zur Gänze auf den Kirchenraum und den privaten Bereich beschränkt. Im Barackenlager rund um die St.-Florian-Kapelle finden pfarrliche Kinderstunden statt, bis diese von der Gestapo (= Geheime Staatspolizei) verboten werden. 1939 entschließt man sich, die Auferstehungsprozession auf eine Runde um die Baumgartner Kirche zu reduzieren. Später werden Prozessionen außerhalb des Kirchenraumes durch die NSDAP ganz verboten. Auch die Einführung der neuen Kirchensteuer soll einen vernichtenden Schlag gegen die katholische Kirche bringen. Diese Rechnung der Nationalsozialisten geht allerdings nicht auf: Die Beiträge werden größtenteils treu eingezahlt. So auch in Baumgarten.

 

Die Pfarrchronik berichtet, dass bei einer „Jugendweihestunde“ des Dekanats beachtliche 300 Jugendliche unsere Kirche füllen. In Baumgarten wird die Jugend seit 1939 von Kaplan Johann Amon betreut, dessen Aufgabe es ist, die Jugendarbeit neu zu organisieren. Das Hitler-Regime untersagt allerdings außerhalb des Kirchenraumes jegliche Kinder- und Jugendarbeit. 

 

1941 ist für die Pfarre Baumgarten ein schwarzes Jahr. Der Pfarrer, die Kapläne und auch die Schwestern des damals im Pfarrgebiet gelegenen Karmelitinnenklosters sind mehreren Anschlägen ausgesetzt. Die Pfarrchronik berichtet von eingeschlagenen Fenstern, Blausäure in der Kirche sowie Schmierereien an der Kirchenwand: „Der Pfaff lügt‘, Gift‘ ,Gift‘ ,Gift“. Auch werden sämtliche Schlösser in der Kirche zugegipst. Im Karmelitinnenkloster in der Linzer Straße 216 (auf dem heutigen Gelände von Klimtpark, Klimtheim sowie der Wohnhausanlage Hütteldorfer Str. 257c) wird der Kopf einer Marienstatue zertrümmert.

 

Im Dezember 1941 werden im Auftrage der „Reichsstelle für Metalle“ die vier Glocken der St.-Anna-Kirche abmontiert, nur die kleine Sterbeglocke verbleibt Auch die Glocken aus dem Karmelitinnenkloster und der Steinhofkirche müssen daran glauben.

 

Bereits seit diesem Jahr bestehen Pläne der NS-Regierung, die Baumgartner Barackensiedlung abzureißen und an dieser Stelle eine weitläufige Wohnsiedlung zu errichten. Die Bewohner verlassen nach und nach die Wohnungen und die Abbrucharbeiten beginnen. Bis zum Bau der neuen Wohnanlage sollen aber noch einige Jahre vergehen. 

Trotz NS-Diktatur hielten die Mädchen Baumgartens ihren Ausflug ab.
Trotz NS-Diktatur hielten die Mädchen Baumgartens ihren Ausflug ab.

Die Baumgartner Pfarrchronik berichtet uns aus dem Jahr 1942: „Am Sonntag, dem 11. Oktober hielten die erwachsenen Mädchen einen Einkehrtag in der Pfarrkirche zu Wolfsgraben. Nach einem Spaziergang und einem geselligen Beisammensein im Pfarrheim erfolgte um ¼7h abends die Rückkehr zur Bahn nach Unter Tullnerbach. Ankunft auf dem Bahnsteig Baumgarten 8h abends.“

 Diese Eintragung ist bemerkenswert, da bei kirchlichen Jugendveranstaltungen aller Art sämtliche „nichtkonfessionelle Betätigungen wie Fahrten, Sportveranstaltungen, Filmvorführungen, Spiele, Reigen, Tänze, Singstunden usw.“ von den staatlichen Behörden untersagt waren. Ganz offenbar waren die „erwachsenen Mädchen“ Baumgartens so mutig, sich nicht an dieses Verbot zu halten. 

In den letzten beiden Kriegsjahren wird die Pfarrchronik wie ein Kriegstagebuch geführt:

Jeder einzelne Fliegeralarm, Luftangriff und Gebäudeschaden ist vermerkt. Im Jahre 1944 kommt es zu 57 Fliegeralarmen.

 

In der Pfarrchronik findet sich auch ein berührender Bericht, wie die Baumgartner die Luftangriffe in der Krypta erleben: „Beim Fliegeralarm ist die Krypta bis aufs letzte Plätzchen besetzt, obwohl sie kein öffentlicher Luftschutzraum ist (80-100 Personen). Das herzkranke Fräulein Maria Ploch wird aus ihrer Wohnung (Baumgartenstraße 39) jedes Mal auf einer Tragbahre von ihren opferfreudigen Schwestern in die Krypta gebracht und in dem an die Krypta anschließenden Raume auf ein Luftschutz-Notbett gelegt. Das Sanktissimum wird aus dem Tabernakel in die Sakristei getragen und in der Wandnische über dem ,Lavabo‘ geborgen (Nottabernakel). Das Verhalten der „Luftschutzkeller“-Gäste ist ein durchaus würdiges. Die einen beten still den Rosenkranz, andere wieder (Frauen und Mädchen) beschäftigen sich mit Handarbeiten, die Dritten, die Mutigeren, halten vor der Krypta Umschau nach den ,Fliegern‘ und eilen erst, wenn die Flak schießt und die Bomben fallen, hinab. Bei Vorentwarnung kehren die meisten heim, nur die Ängstlichen bleiben bis zur vollen Entwarnung.“  

 

Als in den Vormittagsstunden des 7. April 1945 russisches Militär in Baumgarten einzieht, beginnen für Baumgarten die letzten dramatischen Tage des Zweiten Weltkrieges. Die Chronik-Einträge rund um das Kriegsende sprechen für sich: „Donnerstag, der 5.

April. Ein furchtbar ernst bewegter Tag. Seit frühem Morgen dröhnen die schweren Geschütze. Abends, nach dem Segen wurde das Sanktissimum in den Pfarrhof übertragen und im Arbeitszimmer auf dem Schreibtisch untergebracht. Das russische Militär soll bereits Purkersdorf erreicht haben. Deus nos adjuvet! Samstag, den 7. April. 8.30 Einmarsch der russischen Militärs. Panzer. Die Nacht im Luftschutzkeller verbracht. Sonntag, den 8. April hl. Messe um 7h im Arbeitszimmer des Pfarrhauses. Jede Verbindung mit den Nachbarbezirken unterbunden. Kein Licht, kein Gas, kein Telefon. Nur noch Wasser. Die Bahnviadukte und Brücken überall gesprengt. Aus einzelnen Häusern wurde hinausgeschossen. Der Widerstand bald gebrochen. [...] Die Pfarrkirche hat keinen Schaden erlitten ...

 

Als am 8. Mai 1945 der Krieg zu Ende geht, hält Pfarrer Questel einen Dankgottesdienst in St. Anna. Dem Wunsch des Kardinal

Erzbischofs von Wien, Theodor Innitzer, dass von 12 bis 12.25 Uhr alle Glocken der Kirchen Wiens zu läuten wären, kann man in Baumgarten nur mit dem Läuten des kleinen „Zügenglöckerls“ nachkommen. Alle anderen Glocken sind ja im Krieg konfisziert worden.

Anlässlich des Kriegsendes 1945 wurde ein Dankgottesdienst gefeiert.
Anlässlich des Kriegsendes 1945 wurde ein Dankgottesdienst gefeiert.

Da die baulichen Einrichtungen der Pfarre nicht kriegsbeschädigt wurden, geht man rasch an den Wiederaufbau des Pfarrlebens. Zuvor jedoch sucht Pfarrer Questel Ende Juli 1945 um seine Versetzung in den Ruhestand an. Er verlässt nach 17 Jahren seine Pfarre ohne auch nur ein einziges Wort des Abschieds gesprochen und ohne irgendjemandem Bescheid gegeben zu haben. Diese Vorgangsweise wird lange unter den Baumgartnern diskutiert, es handelt sich wohl um den Versuch Questels, kein Aufsehen um seine Person — gerade in einer so schwierigen Zeit — zu machen. So zieht am 10. Februar 1946 mit Johannes März ein neuer Pfarrherr nach Baumgarten. Zu aller erst macht dieser die räumlichen Einschränkungen der Kriegszeit rückgängig. So wird z. B. die Marienkapelle, die seit 1939 als Pfarrbücherei genutzt worden wird, wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt. Und hier beginnt bereits die Lebensaufgabe und das Lebenswerk des Pfarrers Johannes März Gestalt anzunehmen: die Erhaltung und Erneuerung der St.-Anna-Kirche.

 

Auch in seelsorgerischer Hinsicht beginnt Johannes März seine Aufgabe mit großem Elan. Eine besucherfreundliche Reform der Messzeiten bringt einen starken Anstieg der regelmäßigen Messbesucher. Doch auch in der Informationsverbreitung geht der Baumgartner Pfarrer neue Wege. Der von ihm eingeführte „Baumgartner Pfarrkalender“ stellt das erste regelmäßig erscheinende Medium dar, mit dessen Hilfe der Pfarrer mit seiner Gemeinde kommuniziert.

 

Ein großes und dringendes Bauvorhaben ist die Beschaffung neuer Glocken für die St.-Anna-Kirche. In vielen Sammelaktionen, die dem Pfarrer einen bleibenden Ruf als wohl bester Geldauftreiber in der Baumgartner Pfarrgeschichte einbringen, gelingt es bis zum Sommer 1948 so viel Geld und Metallspenden aufzutreiben, dass die Pfarre Baumgarten am 12. Oktober 1948 zur Weihe der drei kleineren Glocken schreiten kann.

Die neue Glocke wird geweiht.
Die neue Glocke wird geweiht.

 

Kardinal Innitzer selbst weiht die Marien-, die Anna- und die Franziskusglocke. Nach weiteren eindringlichen Spendenaufrufen kann auch die Läutelektrik installiert werden, sodass die Glocken erstmals am Heiligen Abend desselben Jahres geläutet werden können.

 

Die Anschaffung der 1.125 kg schweren Christusglocke dauert etwas länger, aber Pfarrer März verfolgt auch dieses Ziel mit größter Energie, sodass am 12. Oktober 1958, exakt zehn Jahre nach der Weihe der ersten neuen Glocken, auch die Christusglocke geweiht werden kann.

 

Auch müssen die Kirchtürme neu eingedeckt werden, da man 1908 beim Bau der Pfarrkirche anstelle der nötigen Kupfernägel nur solche aus Eisen verwendet hatte, die nun weggerostet sind. Sodann muss der Pfarrer an die komplett neue Deckung der Turmdächer schreiten. Glücklicherweise gelingt es März, die dafür nötige erhebliche Geldsumme von der Erzdiözese aufzutreiben.

 

Nach Kriegsende wird nun auch der geplante Wohnanlagen-Neubau an Stelle der Barackensiedlung in Angriff genommen – allerdings bereits von der neuen Regierung. Mit Zustimmung des Ordinariats wird 1950 die St.-Florian-Kapelle abgetragen. Die Gemeinde Wien

verspricht, in der neuen Wohnhausanlage auch Platz für ein Gotteshaus zu schaffen. Dieses Versprechen wird später aber leider nicht eingelöst.

 

Pfarrer März verfolgt auch intensiv den Plan der Beschaffung eines neuen Baumgartner Pfarrheimes. Als 1951 die französische Besatzungsmacht das Heim der Christlichen Kinderfreunde in der Felbigergasse räumt und der Stiftungsbetrieb in der alten Form nicht wieder aufgenommen werden kann, sieht März die Gelegenheit zur Etablierung eines neuen Pfarrheimes gekommen. Durch die Junktimierung mit der Weiterführung eines Kindergartens und nach einer Einigung mit den Franzosen übernimmt die Pfarre das Haus in der Felbigergasse 96 am 31. Dezember 1953 zur pfarrlichen Nutzung.

 

Kurze Zeit später kommt es zum nächsten massiven baulichen Problem an der St.-Anna-Kirche, das den gesamten Bestand des Gebäudes gefährdet. Nach einem mächtigen Sturm am 30. Jänner 1953 werden zahlreiche Dachziegel weggerissen, sodass der Sturmwind in die Türme eindringen kann und die Zwillingstürme ins Schwanken bringt. Die Zeitungen berichteten vom „atmenden Kirchturm von Baumgarten“. Bei der Reparatur stellt man fest, dass die Konstruktion in keiner Weise mit den Bauplänen übereinstimmt. So muss Pfarrer März auch noch für die gesamte Neuvermessung und Planzeichnung Sorge tragen, ehe man an die Reparatur gehen kann. In diesem Zusammenhang tauchen auch Vorschläge des erzbischöflichen Bauamtes auf, die auf eine teilweise Abtragung der Türme bis auf ein Drittel ihrer gegenwärtigen Höhe bzw. eine kuppelartige Zusammenfassung der Türme abzielen. Beides wäre wohl optisch wie architektonisch eine Katastrophe gewesen und kann von den Baumgartnern unter der zielstrebigen Leitung ihres Pfarrers verhindert werden. Die Turmreparatur mündet letztlich in eine Gesamtrenovierung der Außenfassade, die sich bis zum Jahr 1967 hinzieht.

  

Neben diesen dringend nötigen Instandhaltungsarbeiten gestaltet es sich für den Pfarrer sehr schleppend, sein eigentliches Anliegen umzusetzen – die Neugestaltung des Innenraumes der St.-Anna-Kirche. Die Veränderung der gesamten Apsis zieht sich schließlich mehrere Jahre hin und gibt dem Gotteshaus ein gänzlich neues Gesicht. März lässt z. B. zwei Fenster rechts und links im Hochaltar von zwei Marmortafeln mit Reliefs betender Engel verschließen. Herzstück der Umgestaltung ist die Wiederherstellung des Corpus des Altarkruzifixes in seiner ursprünglichen, unbemalten Weise. Die künstlerisch wertvolle Arbeit eines Südtiroler Holzschnitzers ist nämlich im Laufe der Zwanziger- und Dreißiger-Jahre erst gold-, dann bronzefarben bemalt worden. 

 

An Stelle der Barackensiedlung steht 1954 der Hugo-Breitner-Hof unmittelbar vor seiner Fertigstellung. Da entgegen ursprünglicher Zusagen der Stadt Wien kein Gottesdienstort in diesem Gemeindebau errichtet wird, bietet der Deutsche Orden ein Grundstück an der westlichen Grenze des Breitner-Hofs – an der heutigen Deutschordenstraße – zum Kauf an, um hier eine neue Kirche bauen zu können. Vier Jahre später 1958 ergibt sich eine weitere Kaufgelegenheit für einen Baugrund, der besser geeignet erscheint: Ecke Linzer Straße – Karl-Toldt-Weg, genau an der Grenze der Pfarren Baumgarten und Hütteldorf.

 

In der Zwischenzeit richtet Prälat Dr. Josef Gorbach im Haus Hütteldorfer Straße 266 eigenhändig eine Notkapelle ein, damit zumindest behelfsmäßig Gottesdienste in der Nachfolge der abgerissenen St.-Florian-Kapelle gefeiert werden können. Die Kapelle wird am 30. Juni 1957 der „Muttergottes von der wundertätigen Medaille“ geweiht. Hier hält sich eine kleine Gottesdienstgemeinde rund um Prälat

Gorbach, der den Sonntagsgottesdiensten bis März 1964 vorsteht.

 

1960 wird es ernst mit dem Bau einer neuen Kirche am Baumgartner Spitz. Mittels Architektenwettbewerb wird ein geeigneter Plan gesucht und in der Arbeit von Johann Georg Gsteu gefunden. Er gewinnt im Wettbewerb den 2. Platz. Ein erster Platz wird allerdings nicht vergeben. 1962 erhält seine Einreichung für ein Gotteshaus (600 Personen, 300 Sitzplätze) durch die Gemeindeverwaltung die Genehmigung. 

Die Baufirma Franz Jakob beginnt schließlich im Mai 1963 mit den Bauarbeiten für die neue Kirche. Die geplanten Baukosten belaufen sich auf 4.376.730,40 Schilling. Die feierliche Grundsteinlegung und -weihe erfolgen am Freitag, den 20. Dezember 1963, einem „kühlen

Tage“, wie der Baumgartner Pfarrer März in den Pfarrkalender schreibt. Dem Festakt steht Erzbischof-Coadjutor Dr. Jachym vor.

 

In der St.-Anna-Kirche geht es in den Sechzigerjahren weiter mit der neuen Innenraumgestaltung: eine vollständige Neuausmalung des Innenraumes, die Restaurierung des Apsisgemäldes, die komplette Erneuerung der Stromleitungen sowie der erste Versuch eines Heizungseinbaus. Das Kälteproblem der St.-Anna-Kirche kann aber auch Pfarrer März nicht befriedigend lösen. 

 

Als letzte große Änderung im Inneren der Baumgartner Kirche lässt Pfarrer März 1963 im Bereich der Vierung vor dem Hochaltar einen Volksaltar errichten und die Kommuniongitter entfernen. Für den Volksaltar ist ja mehr als ausreichend Platz vorhanden, erinnern wir uns an die „Stehplätze“ für die früher in Baumgarten stationierten Soldaten des k. - k. Landwehrregiments.

 

All diese Veränderungen kosten viel Geld, das der Pfarrer in unzähligen Spendenaufrufen auftreibt. Dieser Umstand und der Widerstand vieler Baumgartner gegen das neue Aussehen des Innenraumes lassen in der Pfarre Baumgarten die Wogen oft hochgehen. Es sind

die Projekte des Pfarrers eben auch eine Geschmacksfrage. 

Auf dem Gebiet der Seelsorge sind die ersten drei Jahrzehnte nach 1945 in vielfacher Hinsicht ein Neubeginn. Unter anderem kommt es zur Gründung der Pfarrbeiräte, der Vorläufer der heutigen Pfarrgemeinderäte. Der Baumgartner Pfarrer März unterstützt dies von Anfang an. Schwieriger gestaltet sich die Frage der Jugendseelsorge. Der bei der Jugend höchst beliebte Baumgartner Kaplan Johann Amon, der seit den Dreißigerjahren in St. Anna wirkt und gerade während der Zeit der NS-Diktatur die Jugendseelsorge unter den größten Schwierigkeiten aufrecht erhielt, wird 1953 zum Pfarrer von Tribuswinkel bestellt und verlässt somit die Pfarre. 

60 Jahre Pfarrkirche St. Anna: Pfarrer März mit Kardinal Franz König
60 Jahre Pfarrkirche St. Anna: Pfarrer März mit Kardinal Franz König

 

 

 

Nach seinem Abgang und dem Tod Johann Gausers (1950) setzt ein reger Wechsel an Kaplänen ein, der die seelsorgliche Arbeit in der Pfarre Baumgarten nicht gerade einfacher macht. Einen Aufschwung bringen die auf Anregung von Kaplan Gottinger

ca. 1960 eingeführten Jugendlager. Problematisch ist hingegen die Ende der Fünfzigerjahre ebenfalls unter Gottinger kurzzeitig eingeführte Trennung der Jugend nach beruflichen und ausbildungsbezogenen Kriterien. Dies führt indirekt zu einer sozialen Trennung, die bedauernswerte Entwicklungen mit sich bringt.

 

 

 

 

Auch Johann Eigenseder ist für einige Zeit Kaplan in Baumgarten, später in Ober St. Veit. Von dort aus wird er mit 1. September 1964 zum Expositus für die kleine Gemeinde in der Kapelle „Zur Muttergottes von der wundertätigen Medaille“ bestellt, mit dem Ziel, Pfarrer einer neu zu gründenden Pfarre „Oberbaumgarten – Zu den vier heiligen Evangelisten“ zu werden. Das Bevölkerungswachstum in den

Fünfziger- und Sechzigerjahren lassen eine zusätzliche Pfarre im Bezirk immer notwendiger werden.

 

Die Bauarbeiten an der zukünftigen Oberbaumgartner Kirche schreiten planmäßig fort. Bereits ein halbes Jahr nach Baubeginn kann am 19. Juni 1964 die Gleichenfeier unter der Anwesenheit von Bezirksvorstehung, Architekt Gsteu, Baumeister Jakob und einem Vertreter des erzbischöflichen Bauamtes stattfinden.

 

Der weitere Bauverlauf bringt leider die eine oder andere Verzögerung mit sich. Der Errichtungstermin der Pfarre Oberbaumgarten ist bereits mit 1. Jänner 1966 festgesetzt, die Kirchweihe mit 19. Dezember 1965, aber die Baustelle wird bis dahin nicht abgeschlossen sein. Zum Glück gelingt es, zumindest das Kirchengebäude – ohne die Nebenräume – fristgerecht zu vollenden. In der Nacht vor dem 19. Dezember reinigt Expositus Eigenseder eigenhändig mit einer Schar freiwilliger Helfer den Kirchenraum, um für den großen Tag bereit zu sein. Um 9 Uhr am 19. Dezember 1965 wird die Kirche „Zu den vier heiligen Evangelisten“ von Erzbischof-Coadjutor Dr. Jachym, der schon bei der Grundsteinlegung anwesend war und ein großer Förderer des Kirchenneubaus ist, geweiht. Unter den mitfeiernden

Priestern der Nachbargemeinden befindet sich auch Pfarrer März, nunmehr Pfarrer von Baumgarten ohne die an Oberbaumgarten abgetretenen Straßenzüge. Auch Prälat Gorbach, der die Gottesdienstgemeinschaft in der Notkapelle so engagiert aufrechterhalten

hat, nimmt an der Kirchweihe „seiner“ Gemeinde teil.

 

links Expositus Eigenseder, hinten Mitte Koadjutor Dr. Franz Jachym, rechts vorne Pfarrer März von Baumgarten
links Expositus Eigenseder, hinten Mitte Koadjutor Dr. Franz Jachym, rechts vorne Pfarrer März von Baumgarten
Konsekration des Altares in der Kirche zu den vier heiligen Evangelisten durch Dr. Franz Jachym
Konsekration des Altares in der Kirche zu den vier heiligen Evangelisten durch Dr. Franz Jachym

Konsekration des Altares in der Kirche zu den vier heiligen Evangelisten durch Dr. Franz Jachym


Das unfertige Pfarrzentrum stellt für die mittägliche Bewirtung der Kirchweih-Ehrengäste eine gewisse Herausforderung dar. Hier springt Gott sei Dank Dr. Karl Fink vom Ober St. Veiter Bundesseminar ein, der seine Räumlichkeiten für die Mittagstafel nach dem Gottesdienst zur Verfügung stellt. Eigenseder ist über längere Zeit Lehrer in dieser Schule gewesen.

 

Die Oberbaumgartner Kirche ist den vier heiligen Evangelisten geweiht. Pfarrer Eigenseder schreibt in der Chronik: „An den steinernen Apostelkreuzen sieht man noch heute die Salbspuren, im Sepulcrum sind Reliquien der hl. Märtyrer Agnes und Sebastian aufbewahrt, mögen sie alle unserer Gemeinde himmlische Schutzherren sein!“ Noch-Expositus Eigenseder übersiedelt bereits am nächsten Tag in den einzigen, schon bewohnbaren Raum des Oberbaumgartner Pfarrhauses. Anfang Jänner 1966 folgt ihm das Ehepaar Martha und Fritz Wieseneder, die als Mesner und Wirtschafter mit dem Pfarrer Freud und Leid einer neu entstehenden Pfarrgemeinde teilen. Die Christmette fünf Tage nach der Kirchweihe  beschreibt Pfarrer Eigenseder als „gut besucht“. Der gemeinde-eigene Chor singt die Bauernmesse. In der Dankmesse zu Silvester werden die Oberbaumgartner über den Verlauf der Grenzen ihres ab 1. Jänner 1966 neuen

Pfarrgebietes informiert: vom Wienfluss bis zum damaligen „Pulmologischen Zentrum“ im Steinhof-Gebiet, von der Bahnhofstraße bis zum Verlauf Waidhausenstraße-Hochsatzengasse. Die Gemeinde zählt laut Pfarrchronik „9.000 Seelen“.

 

Am Samstag, dem 29. Jänner 1966 wird Johann Eigenseder feierlich in sein Amt als Pfarrer von Oberbaumgarten eingeführt. Dem Gottesdienst steht Kardinal Dr. Franz König vor. Anschließend gibt es einen kleinen Empfang im halbfertigen Pfarrhof. Bis in den

kommenden Herbst hinein ist Pfarrer Eigenseder als alleiniger Geistlicher für das neue Pfarrgebiet zuständig, was für ihn mehrfaches Messefeiern am Wochenende und keinerlei Urlaub in diesen Monaten bedeutet. 

Journalistenbesuch in Oberbaumgarten
Journalistenbesuch in Oberbaumgarten

 

 

Mit 1. September erhält der Oberbaumgartner Pfarrer endlich die dringend nötige Hilfe: Theo Franken wird zum Kaplan ernannt und unterstützt das wachsende Pfarrleben bis ins Frühjahr 1969.

 

Die neugebaute Kirche „Zu den vier heiligen Evangelisten“ wird in dieser Zeit von einer Journalistenrunde im Rahmen einer Pressefahrt besucht, aber auch Dechant Kinzl visitiert erstmal das neue Pfarrgebiet.

Am 16. September wird der Baumgartner Pfarrer März auf dem Weg zum Friedhof von einem PKW niedergestoßen und schwer verletzt. Es dauert fast ein Jahr, bis März in die Pfarre Baumgarten zurückkehren kann. Durch den Unfall trägt er bleibende körperliche Schäden davon. Mit eisernem Willen gelingt es Johannes März, noch bis zum 60. Weihejubiläum durchzuhalten und auch die Einführung der

Liturgiereform als eine Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils in seiner Pfarre zu einem vorläufigen Abschluss zu bringen. Ende 1969 sucht der durch den Unfall schwer gezeichnete Priester um seine Versetzung in den Ruhestand an. Am 3. März 1976 stirbt er in Grein an der Donau und wird dort unter großer Teilnahme der Baumgartner zu Grabe getragen. 

 

Im Jahr 1967 gibt es in Oberbaumgarten erstmal eine Erstkommunions-Feier. Die daran teilnehmende Kinderschar zählt noch wenig Köpfe, da es im Pfarrgebiet zu diesem Zeitpunkt noch keine Volksschule gibt und die meisten Kinder sich doch in der Klassengemeinschaft auf dieses Sakrament vorbereiten möchten. Auch die Zahl der Taufen in Oberbaumgarten steigt auf 62 im Jahr an. Nur für Ehepaare scheint die Kirche zu nüchtern gestaltet zu sein. Die meisten heiraten auswärts. Die wachsende Pfarrgemeinde wird in auch im Pfarrleben sichtbar: Jungschar, Dreikönigsaktion, Bibelrunden, Maiandachten, Vorträge, Besuche von Gastpriestern etablieren sich und machen das pastorale Geschehen im Pfarrzentrum bunt. 

 

 

Nach dem Abgang von Kaplan Franken und einer weiteren

Durststrecke, in der Pfarrer Eigenseder als einziger Priester in Oberbaumgarten tätig ist, tritt im September 1969 Dr. Franz Weninger die vakante Kaplanstelle an. Ihm folgt 1973 Paul van Heyster, der 13 Jahre in Oberbaumgarten verbringen wird.

 

 Pfarrer Eigenseder und Kaplan van Heyster
Pfarrer Eigenseder und Kaplan van Heyster

Pfarrer Schlor wirkte 23 Jahre in Baumgarten.
Pfarrer Schlor wirkte 23 Jahre in Baumgarten.

Als Nachfolger von Pfarrer März wird 1970 Franz Gasteiger in die Pfarre Baumgarten berufen. Obwohl der Pfarrer aufgrund diverser Konflikte mit seinen Kaplänen, dem Pfarrbeirat und der Gemeinde nur kurze Zeit in Baumgarten ist, gibt es heute noch etwas,

das auf seine Zeit zurückgeht: Er beginnt mit der Herausgabe eines Wochenzettels zur Information der Pfarrgemeinde (der langjährigen „Baumgartner Kurzinformation“), zusätzlich zu einer Pfarrzeitung. Auch der noch heute in Baumgarten aktive monatliche Seniorennachmittag wird von Gasteiger gegründet.

 

Mit 15. Juli 1973 wird Peter Schlor zum Pfarrer von Baumgarten ernannt. Er beginnt sein Wirken im Alter von 41 Jahren und sollte 23 Jahre lang in der Pfarre bleiben - bis zu seiner Pensionierung im Juni 1996.

 

Der spätere Papst klopfte einst im Pfarrhaus an.
Der spätere Papst klopfte einst im Pfarrhaus an.

Zu Beginn seiner Amtszeit stehen ihm zwei Kapläne zur Seite: Kaplan Viktor Dudzinski sowie bis Mai 1974 Peter Reithofer und anschließend bis 1975 Christian Diebl. Aus damaliger Sichtweise ist dies wenig für so eine große Pfarre und Pfarrer Schlor sieht sich gezwungen, die Zahl der Sonntagsgottesdienste in St. Anna auf vier (!) zu beschränken. 1976 kommt der neu geweihte Diakon Johann Rötzer hinzu, ein spätberufener 56-jähriger Familienvater und ehemaliger Installateurmeister. Darüber hinaus stellt sich der in Baumgarten wohnende Religionsprofessor Hans Heimel als geistlicher Mitarbeiter zur Verfügung, hält Gottesdienste und wirkt auch in der Seelsorge mit, v. a. in der Jugendpastoral. Er ist es, der im Baumgartner Pfarrheim einen Jugendraum einrichten lässt, der (bis zum Bau des Jugendkellers Ende der 1990er Jahre) mehreren Generationen von Jugendlichen als Heimat ihrer Gruppenstunden dient.

 

Kaplan Dudzinski erhält oft Besuch von polnischen Priestern, die zur damaligen Zeit in ihrer Heimat nur im Untergrund arbeiten können. In Baumgarten erzählt man sich, dass eines späten Abends ein polnischer Geistlicher im Baumgartner Pfarrhaus anklopfte und um Unterkunft für die Nacht bat, was ihm aber von der Haushälterin, aufgrund der Abwesenheit von Pfarrer und Kaplan, verwehrt wurde. Später stellt sich heraus, dass der Name des Geistlichen Karol Wojtyla war – der spätere Papst Johannes Paul II.

 

Unter Pfarrer Schlor werden in Baumgarten die ersten besonders gestalteten Gottesdienste eingeführt (z. B. Kindermessen),  Laienkommunionhelfer aktiviert, Bibelrunden, Bildungswerkabende, Brennholzaktionen u. v. m. initiiert. Ein besonderes Anliegen sind dem Pfarrer die Information und Mitbestimmung der Pfarrgemeinde. Legendär wird die sogenannte „Matschkerrunde“, ein Treffen nach der Sonntagsmesse, das Pfarrmitglieder motivieren soll, konstruktive Kritik zu üben. Außerdem gibt es den „Pfarrombudsmann-Briefkasten“ und Pfarrvolksbefragungen. Ab 1974 gibt es den allerersten Pfarrgemeinderat (PGR) in Baumgarten, der den „Pfarrbeirat“ ersetzt und Laien noch stärker einbinden soll. Im April 1980 werden gar die allerersten Mädchen-Ministrantinnen in Baumgarten feierlich aufgenommen, obwohl dies offiziell noch nicht gern gesehen ist.

Baumgartens berühmte Rieger-Orgel.
Baumgartens berühmte Rieger-Orgel.

 

Am 28. Mai 1977 wird die neue Kirchenorgel in der St.-Anna-Kirche eingeweiht. Aufgrund des Holzwurmbefalls der alten Orgel hat der PGR den Bau dieses in Wien einmaligen Instrumentes durch die Firma Rieger beschlossen. Zur Einweihung feiert

Kurienkardinal Rossi mit den Baumgartnern ein im ORF gesendetes Pontifikalamt und es gibt mehrere Festkonzerte. Der Kirchenmusik kommt seither in Baumgarten immer eine besondere Bedeutung zu: durch zahlreiche Konzerte namhafter

Musikerinnen und Musiker in der St.-Anna-Kirche, durch hochrangige Pfarrorganisten, aber auch durch die engagierten pfarrlichen Laienchöre, die durch die Jahrzehnte die Liturgie bereichern.

Im September 1977 übersiedelt der seit 1879 in der Pfarre Baumgarten bestehende Konvent der Unbeschuhten Karmelitinnen (Linzer Straße 216, auf dem heutigen Gelände von Klimtpark, Klimtheim sowie der Wohnhausanlage Hütteldorfer Str. 257c) nach Ober St. Veit, da das alte Gebäude zu baufällig wurde und durch die umliegenden neuen Wohnbauten das kontemplative Leben beeinträchtigt ist. Den Baumgartnern fällt der Abschied von den lieben Schwestern, die die Pfarre fast ein Jahrhundert lang mitgeprägt haben, nicht leicht. Noch heute gibt es nicht wenige, die mit ihnen in Kontakt stehen, und auch die Schwestern tragen ihre alte Heimat weiterhin im Herzen und im Gebet mit. 

 

Gerade, als Pfarrer Schlor 1981 einige Tage Urlaub macht, erreichte ihn die Nachricht, dass sein Kaplan Viktor Dudzinski verhaftet wurde. Dem Kaplan, ehemaliger Sekretär des Bischofs von Lodz, wird vorgeworfen, für Polen bestimmte Stipendiengelder in Millionenhöhe unterschlagen zu haben. Ein kleines Team um Pfarrer Schlor verbringt die nächsten Wochen unermüdlich damit, Entlastungsmaterial für den beliebten Kaplan zu sammeln. Zwei Monate später wird das Verfahren eingestellt. Kurz darauf nimmt die Pfarre schweren Herzens Abschied von ihm, da Dudzinski Provisor in der Diözese St. Pölten wird. Ende der 1990er Jahre gerät er wiederum in die Schlagzeilen. Die genauen Sachverhalte rund um seine Hilfsaktionen für die polnische Kirche können bis zu seinem Tod nicht geklärt werden.

Trotz aller Probleme bringt das Jahr 1981 auch Erfreuliches: Der Baumgartner Pfarrer Schlor hat die Idee zu einer großen Bastelaktion zugunsten der von Mutter Teresa betreuten Kinder in Kalkutta. Er initiiert eine Bastelrunde, (die noch heute in Baumgarten besteht und die Advent- und Ostermärkte bestückt) und durch Veröffentlichung in der Kirchenzeitung können noch weitere Bastelbegeisterte gewonnen werden, die insgesamt 684 Puppen herstellen. Bevor sie nach Kalkutta übermittelt werden, gab es eine Puppenausstellung in der Marienkapelle, von der sogar eine Tageszeitung mit Fotos berichtet.

 

1982 bekommt Pfarrer Schlor wieder Unterstützung durch einen Kaplan: Pater Patrik Drozdik, ein gebürtiger Slowake, wurde 1974 in der damaligen CSSR illegal zum Priester geweiht und flieht nach Österreich. Binnen kürzester Zeit erfreut er sich in Baumgarten großer Beliebtheit, v. a. bei der Jugend. 

Die von Pfarrer Eigenseder geführte Oberbaumgartner Chronik endet mit November 1969 abrupt. Ein weiters Blatt enthält wenige Stichwörter, geschrieben von einer anderen Person, vielleicht Kaplan van Heyster. Darunter die Bemerkung: „In articulo mortis“ –

Im Augenblick des Todes.

 

Offensichtlich bleibt Pfarrer Eigenseder während der letzten 16 Jahre keine Zeit, die Chronik fortlaufend weiterzuführen. Sein Nachfolger wird auch fehlende Kirchenrechnungen und das mehrjährige Schulden des Kirchenbeitragsanteils an die Erzdiözese beklagen. Der Bericht über die Visitation durch Weihbischof Dr. Karl Moser vom Oktober 1985 gibt Aufschluss über diese Zeit:

Weihbischof Moser lobt das persönliche Engagement Pfarrer Eigenseders, der von seiner Gemeinde „angesehen und gut gelitten“ ist. In einigen Bereichen blüht das pastorale Leben, in anderen Bereichen gibt es keine oder wenig angenommene Angebote. Als schwierig

empfindet Moser die Tatsache, dass es „im Pfarrhof außer der halbtägig angestellten Haushälterin keinen einzigen bezahlten Angestellten gibt. Niemand ist in der Kanzlei. Alles erledigt der Pfarrer allein, der keinen freien Tag und auch keinen zusammenhängenden Urlaub kennt.“ „Als große Last für alle wird der ‚verhaute‘ Kirchen- und auch Pfarrhofbau bleiben“, liest man im Visitationsbericht weiter. Wie so oft triften die künstlerischen und die alltagstauglichen Aspekte der Architektur mitunter auseinander.

 

Mittlerweile gehört zum Oberbaumgartner Pfarrgebiet die Volksschule Karl-Toldt-Weg und die damals in der Hochsatzengasse angesiedelte Hauptschule. Mit beiden Einrichtungen hält Pfarrer Eigenseder laut Visitationsprotokoll einen guten Kontakt.

 

Feldmesse auf dem Oberbaumgartner Jungscharlager

mit Kaplan van Heyster 1979

Silbernes Priesterjubiläum von Pfarrer Eigenseder im Jahr 1976


Mitte Februar 1986 geht in Oberbaumgarten eine Ära auf tragische Weise zu Ende: Pfarrer Eigenseder – geistlicher Begleiter der ersten Stunde und Pfarrer der neugegründeten Pfarre für 20 lange Jahre – wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Als Todesursache

wird Herzversagen bekanntgegeben. Kaplan van Heyster, der Oberbaumgarten nun seit 13 Jahren kennt, versucht als Provisor die Pfarre nach diesem Schock weiterzuführen. Seine Amtszeit endet bereits nach wenigen Monaten: Zum einen gibt es einen Kreis eng vertrauter Pfarrmitglieder, die gemeinsam mit Provisor van Heyster nach neuen, oft unkonventionellen Formen des christlichen Gemeindelebens suchen. Auf der anderen Seite gibt es Pfarrmitglieder, die sich seit jeher mit van Heysters Person und seinen Initiativen schwertun. Beide Seiten sprechen bei Weihbischof Dr. Krätzl vor, um für bzw. gegen den Provisor zu intervenieren. Weihbischof Krätzl lehnt schließlich die Installation van Heyster als Pfarrer von Oberbaumgarten ab. Begründet wird diese Entscheidung damit, dass van Heysters Dienste aufgrund seiner Ausbildung im Bereich der Krankenhausseelsorge benötigt werden.

 

Der Wiener Erzbischof Hans Hermann Groer installiert darauf hin im Herbst 1986 Georg Flamm, der zuvor Kaplan in St. Anton im 10. Wiener Gemeindebezirk war, als Moderator, später als Pfarrer von Oberbaumgarten. Mit ihm zieht ein völlig neues Team in den Pfarrhof am Baumgartner Spitz: Maria und Gerhard Marschütz als Pastoralassistenten-Paar und Irene Gabriel als Pfarrsekretärin.

 

1986 zieht das neue Seelsorgeteam im Oberbaumgartner Pfarrhof ein: Pfarrer Georg Flamm und das Pastoralassistenten-Ehepaar Maria und Gerhard Marschütz.


Den neuen Hauptamtlichen schlägt zunächst frostige Stimmung von Seiten der van-Heyster-Anhänger entgegen. In mehreren Gesprächen, Sitzungen und Treffen - teilweise unter Teilnahme von Dechant Schinner und Weihbischof Krätzl - wird versucht, die Problematik aufzuarbeiten. Van Heysters Befürworter sehen in seiner Abberufung ein Niederwalzen pfarrlicher demokratischer Strukturen und das Verbot, neue pastorale Wege gehen zu dürfen. Die festgefahrene, aussichtslose Situation findet letztlich dadurch ein Ende, dass die meisten der Kritiker sich der Messgemeinde in der Deutschordenskirche anschließen, wo van Heyster eine Vorabendmesse für Menschen in psychischen Notsituationen anbietet.

 

Als weiteres Startproblem lässt Pfarrer Flamm das Pfarrzentrum hinsichtlich der Verbesserung der Bau- und Wohnqualität begutachten. Durch die Schneeschmelze tritt Wasser vom Dach her in den Kirchenraum ein. In der Pfarrerswohnung zieht es aufgrund der undichten Fenster. Die Verbesserungsarbeiten ziehen sich leider hin, legt doch das Denkmalamt und Architekt Gsteu zunächst ein Veto ein. Letztlich werden die desolaten Fenster, Türen und durchscheinenden Fassadenplatten ersetzt. 

 

In der Pastoral ist es Pfarrer Flamm ein zentrales Anliegen, die verschiedenen Kreise an Pfarrmitgliedern, die nebeneinander bis gegeneinander bestehen, zu einen. Ein wichtiger Schritt dazu ist das neu eingeführte Pfarrcafé nach der Sonntags-10-Uhr-Messe – eine Einrichtung, die bis heute in Oberbaumgarten besteht. Dass sich für die vorzubereitende nächste Pfarrgemeinderatswahl schließlich 25 Kandidatinnen und Kandidaten finden, lässt Pfarrer Flamm Gutes für die Zukunft hoffen. In den kommenden Jahren wird er in seiner Arbeit von mehreren Pastoralassistenten und -assistentinnen sowie Pfarrhelfern und -helferinnen und etliche ehrenamtlich agierenden

Pfarrmitgliedern unterstützt. Das Pfarrleben wird durch Mütterseminare, Geburtstagsbriefaktionen, Faschingsfeste, Emmausgänge, Pfarrheurigen, Flohmärkte und vielem mehr bereichert. 

Mit September 1988 wird Kaplan Pater Patrik aus Baumgarten versetzt und nach einer Episode mit einem Kurzzeit- und einem Aushilfskaplan wird 1989 Reinhard Knittel zum Kaplan bestellt. Der Vorarlberger, ein Anhänger des „tridentinischen“ Messritus, bleibt zwei Jahre und wird dann theologischer Berater Bischof Krenns in St. Pölten. 1989 geht auch der langjährige Diakon Johann Rötzer in Pension.

 

Das Pfarrcaritas-Team ist durch die politische Lage in Europa besonders gefordert: 1989 gibt es eine große Hilfsaktion für Rumänien nach dem Sturz des Regimes. Zur Zeit des Jugoslawien-Kriegs werden am Steinhof-Gelände untergebrachte Bosnien-Flüchtlinge wöchentlich von Baumgartner Caritas-Mitarbeitern besucht und unterstützt. Die Oberbaumgartner Caritas organisiert mehrere Jahre lang Hilfsgüter-Lieferungen in die Kriegsgebiete.

 

Im Herbst 1990 wird Thomas Radlmair, ein gebürtiger Linzer, als Pastoralhelfer in Oberbaumgarten angestellt. Unter seiner Leitung geschieht die lang geplante Adaptierung des Jugendraumes. Radlmair ist auch der Urheber des 14-tägigen Informationsblattes für Gottesdienstbesucher und Initiator einer Pfarrzeitung. Beide Medien wird es über einen längeren Zeitraum in der Pfarre Oberbaumgarten

geben.

 

Im Mai 1992 sind die umfangreichen Renovierungsarbeiten am Oberbaumgartner Pfarrzentrum zu Ende. Um die Subventionen des Bundesdenkmalamtes nicht zu verlieren, ist erneut das Architekturbüro Gsteu mit der Planung des Umbaus beauftragt. Die Glockenweihe

im Rahmen der Pfarrfirmung mit dem damaligen Weihbischof und späteren Kardinal Christoph Schönborn bildet den festlichen Abschluss. Zu den größten baulichen Maßnahmen der letzten Jahre zählen der Einbau einer Isolier-Verglasung und Vollwärmeschutz für die Mauerteile, die umfassende Sanierung des Daches und einiger Betonteile, der Abriss und Neubau des Glockenträgers samt einem neuen Geläut.

 

Zu Silvester 1992 findet in Wien das internationale Taizé-Treffen statt. Auf dieses Ereignis bereitet sich die Pfarre Oberbaumgarten sehr intensiv mit regelmäßigen Gebetsrunden vor, initiiert von Thomas Radlmair. Als es darum geht, Unterkünfte für die vielen zu erwarteten Teilnehmer aus allen Herren Ländern zu finden, erweist sich die Pfarre als Vorzeige-Gastgeber: 520 Personen finden in Familien, Schulen oder dem Pfarrzentrum Versorgung. Die Silvesternacht wird gemeinsam mit den Gästen bei einem Friedensgebet in der gesteckt vollen Kirche begonnen. Da kein anderer entsprechend großer Raum zur Verfügung steht, feiern die Christen aus Oberbaumgarten, Europa und Südamerika danach im Kirchenraum weiter – bei Spaghetti und Donauwalzer, was einige der angereisten polnischen Priester ziemlich

schockiert.

 

1993 muss der Baumgartner Pfarrer Peter Schlor aufgrund einer schweren Erkrankung für mehrere Wochen ins Spital und zur Rekonvaleszenz. Er wird sich nie wieder ganz davon erholen. Im September 1994 kommt endlich wieder ein junger Kaplan nach Baumgarten: Florian Sobocan, ein gebürtiger Kroate, übernimmt die Kinder- und Jugendpastoral. Er erfreut sich durch die sehr persönliche Begleitung seiner „Schäfchen“ bald großer Beliebtheit. Im selben Jahr wird der Verein „Rettet St. Anna“ zur Kirchenerhaltung gegründet. 1995/96 ist das letzte Arbeitsjahr für den Baumgartner Pfarrer Peter Schlor vor seiner Pensionierung. Die Baumgartner

bereiten ihm und seiner Mutter, die bei ihm im Pfarrhof gewohnt hat, ein großes Abschiedsfest. Pfarrer Schlor leitet die Pfarre 23 Jahre lang gewissenhaft, und – so lange es sein Gesundheitszustand zugelassen hat – auch mit vollem Einsatz. Er verstirbt am 24. Juli 1999 mit nur 67 Jahren.

 

Nachdem nun in Oberbaumgarten die Kirche generalsaniert worden ist, stehen Renovierungsarbeiten im Pfarrzentrum an. Im Frühjahr 1994 wird das Jugendheim im Keller des Heimtraktes erneuert und adaptiert, später sämtliche Böden, der Pfarrsaal und der Stiegenaufgang. Herr Pichl, ein Freund von Architekt Gsteu, macht einige Entwürfe für eine textile Behängung der Kirchenwände, die zunächst als Provisiorium ausgeführt und aufgehängt werden. Durch diese Maßnahme soll die Akustik im Kirchenraum verbessert werden.

 

In Herbst 1995 kommt auf Oberbaumgartner Pfarrgebiet auch eine weitere Schule dazu: Auf dem Kinkplatz wird in der sogenannten „Glashaus-Schule“ eine Hauptschule mit Informatik-Schwerpunkt eröffnet. Neben dem Karl-Toldt-Weg gibt es nun in der Hochsatzengasse auch eine Volksschule, die ganztägig geführt wird. Diese Schulform erfordert eine ganz neue Art der Erstkommunionsvorbereitung. Dieses Thema wird die für die Sakramentenvorbereitung verantwortlichen Pastoralassistentinnen noch einige Jahre beschäftigen.

 

Die feierliche Neueröffnung des Oberbaumgartner Pfarrheimes am 16. September 1995 ist auch der Beginn einer Festwoche in Vorbereitung auf das 30-jährige Pfarr- und Kirchenjubiläum. Zum Programm der Woche zählen ein gemeinsamer Besuch des

Grabes von Pfarrer Eigenseder mit anschließendem Heurigenbesuch sowie Vorträge von Prof. Gsteu über die Architektur „seiner“ Kirche und von Dr. Wächter über die Geschichte der Pfarre.

 

Ende September 1995 bekommt Pfarrer Flamm für Oberbaumgarten erstmals einen zweiten Priester zur Unterstützung: Father Ambrose Onwumere Ikwuagwu aus Nigeria wird Aushilfskaplan und bis 1998 bleiben. Rückblickend gesehen wird sein Mitleben und Wirken in Oberbaumgarten aufgrund unterschiedlicher Erwartungen und Mentalitäten, nicht zuletzt auch wegen der Sprachbarriere, für beiden Seiten recht problematisch sein.

Pfarrer Nebenführ und Kardinal Christoph Schönborn
Pfarrer Nebenführ und Kardinal Christoph Schönborn

Die feierliche Amtseinführung des neuen Baumgartner Pfarrers Franz Nebenführ, der zuvor viele Jahre als Pfarrer in St. Hemma (Wien 13) gewirkt hat, erfolgt am 28. September 1996. Mit dem Pfarrer beginnt auch Christoph Buda als Pastoralpraktikant (später Diakon bis September 2012) und Christine Szedenik wird zur neuen Pfarrsekretärin in Baumgarten bestellt.

 

Die ersten Herausforderungen für den neuen Pfarrer sind einmal mehr dringend nötige Sanierungsarbeiten in der St.-Anna-Kirche. Im Dezember 1996 löscht die Feuerwehr einen durch Vandalen verursachten Brand in der Kirche. 

 

Dank Kaplan Sobocan erlebt die Ministrantenarbeit in Baumgarten eine neue Blüte, die junge Schar bekommt neue, weiße Kutten. Bei der Pfarrgemeinderats-Wahl werden in Baumgarten sechs Frauen und sechs Männer gewählt, darunter wieder viele junge Leute. Auch in Oberbaumgarten ist die Verjüngung dieses Gremiums bemerkbar. Erstmals wird dort auch ein PGR-Vorstand eingerichtet.

 

 

Anlässlich des 40. Jahrestages der Priesterweihe von Pfarrer Nebenführ am 29. Juni 1997 feiert die Pfarre Baumgarten mit dem Jubilar eine feierliche Dankmesse. Niemand ahnt, dass es das letzte Fest mit Pfarrer Nebenführ werden soll. Am 21. August muss er sich in Spitalsbehandlung begeben, und nur einen Monat später, am 23. September 1997, verstirbt er völlig unerwartet nach kurzer, schwerer Krankheit im 66. Lebensjahr. An seinem  Begräbnis auf dem Hietzinger Friedhof nehmen Kardinal Schönborn und mehr als 50 Priester sowie unzählige Gläubige aus verschiedenen Pfarren teil, die Pfarrer Nebenführ verbunden waren.

Der Baumgartner Kurzzeit-Provisor Boleslaw Krazczyk
Der Baumgartner Kurzzeit-Provisor Boleslaw Krazczyk

 

Da Florian Sobocan wenige Wochen zuvor - nach einem schweren Abschied aus Baumgarten - Kaplan in Neusimmering geworden ist, braucht die Pfarre nun dringend einen neuen Geistlichen. Ende September 1997 wird Boleslaw Krawczyk, ein polnischer Pallottiner, zum Provisor ernannt. Obwohl der kontaktfreudige Priester weiß, dass er nur vorübergehend in Baumgarten sein wird, stürzt er sich mit großem Elan auf die Aufgabe. Durch einen Spendenaufruf schafft er es, die Baumgartner Pfarrkanzlei endlich technisch zeitgemäß mit PC, Faxgerät und Anrufbeantworter auszurüsten.

 

Auch die Neugestaltung des liturgischen Opferganges (Hostien werden vor der Messe von den Gläubigen in die Hostienschale gelegt und bei der Gabenbereitung zum Altar gebracht) geht auf ihn zurück. Eine seiner Initiativen wird den Gottesdienstbesuchern in besonderer Hinsicht noch lange in Erinnerung bleiben: Ihm ist es zu verdanken, dass es seit 1998 in der Kirchenkrypta eine hygienische Sanitäranlage gibt.

 

Die Pfarrgemeinderäte von Oberbaumgarten befassen sich dieser Tage intensiv mit dem Formulieren von Leitlinien für die pfarrliche Arbeit. Begleitet werden sie dabei von zwei Gemeindeberatern. Später werden aus diesen Leitlinien konkrete Projekte für die pastorale Arbeit entstehen. Thema im PGR ist auch der „Pastorale Dienstplan“ der Diözese: Daraus geht hervor, dass Oberbaumgarten unter denjenigen Pfarren eingereiht ist, die im Falle von massivem Priestermangel keinen eigenen Pfarrer mehr bekämen – allenfalls würde der

Baumgartner Pfarrer als Moderator eingesetzt. Die anschließende Diskussion bringt ganz deutlich hervor: Oberbaumgarten soll eine eigenständige Gemeinde bleiben. 

Kaplan Markus Muth (links) und Pfarrer Michael Scharf (2. von rechts)
Kaplan Markus Muth (links) und Pfarrer Michael Scharf (2. von rechts)

Mit 1. September 1998 beginn für die Pfarre Baumgarten wieder ein neuer Abschnitt: Michael Scharf, Jahrgang 1964, geistlicher Assistent der Charismatischen Erneuerung der Erzdiözese Wien, zuletzt Pfarrer am Kordon, wird zum neuen Pfarrer von Baumgarten ernannt. Mit ihm beginnt als Kaplan der frisch geweihte junge Priester Markus Muth. Das erste Jahr ihrer Tätigkeit müssen der Baumgartner Pfarrer und Kaplan in der Pfarre Oberbaumgarten Quartier nehmen, da das Pfarrhaus in der Pachmanngasse einer dringenden Renovierung unterzogen werden muss.

 

Das junge Team bringt frischen Wind in die Pfarre. Pfarrer Scharf versteht es, in spezieller Weise Kinder und junge Familien anzusprechen, und schafft es, mit einem starken Laien-Team viele Bereiche neu zu beleben und die St.-Anna-Kirche zu füllen – ganz besonders bei Kinder- und Familienmessen. Kaplan Markus Muth erobert nicht nur die Herzen der Jugend, sondern wird als Seelsorger mit Leib und Seele zum Begleiter vieler Baumgartnerinnen und Baumgartner aus allen Generationen (und nicht weniger auch bis heute).

Als Belastungsprobe für Pfarrer Scharf erweist sich der defizitäre und baulich desolate Baumgartner Pfarrkindergarten. Um die Einrichtung nicht schließen zu müssen, stellt der Pfarrer einen Pfarrökonom an (der spätere Diakon Harald Schatz, der bis 2005 bleibt). Dieser entwickelt ein Finanzkonzept für den Umbau und die Vergrößerung des Kindergartens und Horts, das letztlich zum Erfolg führt. Neben dem Baumgartner Pfarrheim und Pfarrhaus wird aber auch die Kirche wieder zur Baustelle: Da Anfang 1999 Verputzstücke von der Decke gefallen sind, muss die St.-Anna-Kirche aus Sicherheitsgründen für einen Monat geschlossen bleiben, die Gottesdienste werden dankenswerter Weise in Oberbaumgarten gefeiert. In der St.-Anna-Kirche wird ein Schutzgerüst aufgestellt, das bis Weihnachten 2000 bleibt und von den Gläubigen positiv angenommen wird, v. a. durch die von Pfarrer Scharf entworfenen Gerüstbilder mit biblischen Szenen. 2000 muss auch die Hauptfassade der St.-Anna-Kirche eingerüstet und der Haupteingang vorübergehend gesperrt werden.

Im Jahr 2000 wird der Baumgartner Pfarrer Michael Scharf zum Dechant des Dekanats 14 ernannt, der Oberbaumgartner Pfarrer Georg Flamm zu seinem Stellvertreter. Der neue Dechant fördert die Kontakte zwischen allen Dekanats-Pfarren. Regelmäßig gibt es gemeinsame Mittagessen aller Pfarrer, Kapläne und Pastoralassistentinnen bzw. -Assistenten der Pfarren Baumgarten, Oberbaumgarten und Breitensee.

Die komplett eingerüstete St.-Anna-Kirche mit liebevoll umwickelten Gerüststangen
Die komplett eingerüstete St.-Anna-Kirche mit liebevoll umwickelten Gerüststangen

Neue Aktivitäten in Baumgarten sind z. B. Mitarbeiter-Dankfeste, Alpha-(Glaubens-)Kurse – die auch in der Pfarre Oberbaumgarten durchgeführt werden, der EZA-Produkte-Verkauf und Hausbesuchsaktionen. Kaplan Markus Muth erarbeitet (nach einer Idee des

Pfarrers) mit seinen Jugendleiterinnen und -leitern ein Konzept für den Ausbau und die Führung eines Jugendkeller-Betriebs in den Kellerräumen des Pfarrhauses in der Pachmanngasse. Neben den Jugendlichen sind ihm v. a. die jungen Erwachsenen ein Anliegen, für die er „Tankstellen“, Wallfahrten, gemeinsame Urlaube u. v. m. organisiert. Der Abschied fällt der Gemeinde Baumgarten schwer, als er im September 2001 zum Jugendseelsorger des Südvikariats bestellt wird. Ihm folgt der polnische Kaplan Pawel Stawarczyk, der mit dem Jugend-Team die Jugendkeller-Arbeit fortsetzt und bis 2006 in Baumgarten bleibt.

 

In Oberbaumgarten führt Pastoralassistentin Martina Greiner-Lebenbauer das „Frauen-Bibel-Teilen“ als neues pastorales Angebot ein. Regelmäßig treffen sich die Teilnehmerinnen um sich intensiv, auf vielfältigste methodische Weisen, mit biblischen Texten auseinanderzusetzen. In der Gruppe wächst eine intensive Verbundenheit miteinander. Herbert Wogowitsch übernimmt die zweite frei gewordene Pastoralassistentenstelle und bleibt für vierzehn Jahre in Oberbaumgarten bis 2014. Im Herbst 2001 bekommt Oberbaumgarten wieder einen Aushilfskaplan: Ignatius Bindu Hembrom aus Bangladesch wird 4 Jahre lang Pfarrer Flamm unterstützen.

Der Oberbaumgartner Pfarrer Georg Flamm mit Pfarrsekretärin Ursula Markl und den Pastoralassistenten Herbert Wogowitsch und Martina Greiner-Lebenbauer.

Um dem Tagesablauf der Schulkinder der Ganztagesvolksschule Hochsatzengasse entgegenzukommen, wird nun – nach mehrjährigen Überlegungen – die Erstkommunionsvorbereitung als „Familienmodell“ eingeführt: Mit der Adventkranzweihe beginnend kommen die Kinder mit jeweils einem Elternteil an vier Samstag-Nachmittagen in die Oberbaumgartner Pfarre. Für die Zeit zwischen den Treffen bekommen die Kinder Arbeitsblätter mit, die sie daheim mit den Eltern machen. Die starke Einbindung des Elternhauses in die Vorbereitung der Kinder wird als recht positiv wahrgenommen. Ein Jahr später wird dieses Modell auch für die Volksschule Karl-Toldt-Weg angeboten, die wöchentliche Vorbereitung wird nach und nach weniger attraktiv. Weil durch die Kinder-Eltern-Gruppen mehr

Platz im Pfarrzentrum benötigt wird, werden Räume der ehemaligen Kaplanswohnung zu einem neuen „kleinen Pfarrsaal“ zusammengelegt. 

 

Pfarrer Scharf entwickelt gerade eine Pfarrumstrukturierungskonzept, das den Pfarrer entlasten und Ehrenamtliche als eigenständige Bereichsleiter einsetzen soll, als er im Mai 2002 zum Leiter des Pastoralamts ernannt wird.

Pfarrer Abrahamowicz leitete Baumgarten  bis 2016.
Pfarrer Abrahamowicz leitete Baumgarten bis 2016.

Sein Nachfolger wird im September 2002 Clemens Abrahamowicz, ehemaliger Regens des Wiener Priesterseminars. Wie alle Baumgartner Pfarrer vor ihm ist auch er zunächst mit baulichen Angelegenheiten beschäftigt: In der St.-Anna-Kirche werden Heizung,

Tonanlage, Volksaltar samt Podest erneuert, Sakristei und Seitenschiffe saniert. Das Pfarrheim wird mit einem behindertengerechten Zugang versehen, Pfarrsaal und Jungscharraum renoviert und das Dachgeschoß für den Kindergarten ausgebaut (Seit 2009 gehört der Baumgartner Kindergarten – wie viele andere Wiener Pfarrkindergärten – zur St.-Nikolaus-Tagesheimstiftung.).  Im Pfarrhaus wird das Dach saniert und - größtenteils durch Eigenleistung junger Leute - der Jugendkeller ausgebaut. 

 

Die Nachfolge von Michael Scharf als Dechant tritt nun Pfarrer Flamm an, der bisher

Dechant-Stellvertreter war.

 

Im Arbeitsjahr 2002/2003 gibt es in Oberbaumgarten eine großangelegte „Grüß-Gott“-Aktion: 28 Frauen und Männer besuchen jeweils zu Zeit über 1500 Haushalte – oder zumindest ihre Türe. Die Besuchten erhalten eine mit dem Logo der Aktion bedruckte

Stofftasche mit Informationmaterial zur Pfarre Oberbaumgarten und zu Aktionen

in Pfarre und Dekanat. Etwa ein Drittel der Türen werden auch tatsächlich geöffnet. Die meisten Besuchten reagieren freundlich, wenige reserviert, zum Glück fast niemand aggressiv. Die „Grüß-Gott“-Aktion wird auch in den kommenden Jahren wiederholt durchgeführt.

 

Mit dem Jahreswechsel 2002 auf 2003 geht die langgediente Oberbaumgartner Pfarrsekretärin Ursula Markl in Pension. Frau Markl ist wegen ihrer menschlichen, lebendigen, ausgleichenden Art in der Pfarrfamilie sehr geschätzt. Durch ihre Mitarbeit im Pfarrgemeinderat und in der Pfarr-Caritas bleibt sie der Pfarre auch als im Ruhestand noch sehr verbunden. An die Stelle der Pfarrsekretärin tritt nun Birgit Haberl, die nach wie vor die Pfarrkanzlei in Oberbaumgarten leitet.

 

Am 2. Mai feiert Pfarrer Flamm seinen 50. Geburtstag mit einem großartigen Fest im Pfarrzentrum. Zu diesem denkwürdigen Anlass bekommt der Jubilar 4 Ikonen der Evangelisten geschenkt, gemalt von einer Belgrader Künstlerin. Die Vorbereitungsarbeiten zu

dieser Geschenksübergabe verlaufen dramatisch: Eine Anzeige wegen versuchten Schmuggels bringt die Künstlerin vor ein ungarisches Gericht. Zum Glück endet die Verhandlung mit einem Freispruch.

 

Im Juli 2005 kehrt Aushilfskaplan Hembrom aus Oberbaumgarten zurück nach Bangladesch – mit dem angestrebten Magister-Titel in der Tasche. Er ist wegen seiner liebenswürdigen, kontaktfreudigen Art sehr beliebt gewesen. Ihm folgt Hubert Saw aus Myanmar nach. Beim ersten Kontakt mit der deutschen Sprache erhält er von einigen Pfarrmitgliedern intensive Unterstützung, sodass Kaplan Saw schon

nach einem Monat Heilige Messen zelebrieren kann. Zur gleichen Zeit übernimmt Waltraud Söll die Stelle als Pastoralassistentin, zunächst als Karenzvertretung von Martina Greiner-Lebenbauer. Die beiden werden einander in den nächsten Jahren immer wieder abwechseln.

 

Zum Jahresende 2005 feiert Oberbaumgarten das 40-jährige Kirchweihfest mit Bischofvikar Karl Rühringer. Als „Geburtstagsgeschenk“ erhält die Pfarre vier Bronze-Figuren der Evangelistensymbole als Leihgabe. Geschaffen wurden sie von Josef Pillhofer, einem Freund des Architekten der Kirche. Die vier Figuren sind heute noch an Stangen montiert rund um den Ambo aufgestellt.

 

 

Für detailgenauere Informationen über Veranstaltungen und Ereignisse in Baumgarten ab dem Jahr 2007 und in

Oberbaumgarten ab dem Jahr 2009 lesen Sie bitte hier.

 

 

Nach 22 Jahren im Dienste der Oberbaumgartner Pfarre heißt es 2008 Abschied nehmen für Pfarrer Georg Flamm. Dies kommt nicht unerwartet: Den Wunsch nach einem Sabbatjahr hat Pfarrer Flamm seiner Gemeinde bereits Monate davor mitgeteilt. So kann im

neugewählten Pfarrgemeinderat der Leitungswechsel mit der Erstellung eines Pfarrprofils gut vorbereitet werden. „Es braucht im Leben immer wieder einen frischen Wind!“, schreibt Flamm in der Pfarrchronik. Noch vor Beginn der Sommerferien feiert die Pfarrgemeinde mit Pfarrer Flamm einen Dank- und Abschiedsgottesdienst mit einem Pfarrheurigen im Anschluss. Georg Flamms Platz nach dem Sabbatjahr sollte übrigens die Pfarre Cyrill & Method in Wien 21 werden.

 

Bereits 1993 startete der Versuch, durch das Aufhängen von Stoffbahnen im Inneren der Oberbaumgartner Kirche die Akustik zu verbessern. 2008 ist es nun soweit: Freiwillige Helfer leisten rund 400 Arbeitsstunden, um die speziell angefertigten Stoffbahnen auf Rohren zu montieren. Dabei werden auch gleich die Leuchtstoffröhren in der Kirche getauscht. Eine Optimierung der Akustik und die

Aufhellung der düsteren Kirchenwände ist damit endlich erreicht. 

Pfarrmoderator Pelc mit Msgr. Franz Schuster
Pfarrmoderator Pelc mit Msgr. Franz Schuster

Die Suche nach einem neuen Oberbaumgartner Pfarrer wird von Bischofsvikar Karl Rühringer begleitet. Ihm wird das vom PGR erstellte Pfarrprofil und ein Anforderungskatalog vorgelegt. Bereits einige Monate vor Pfarrer Flamms Weggang wird der neue Moderator gefunden – zur Erleichterung der Gemeinde: Die Sorge, keinen eigenen Pfarrer mehr zu bekommen, ist doch sehr groß gewesen.

 

Mit September 2008 wird Dr. Bogdan Pelc, ein gebürtiger Pole, Moderator in Oberbaumgarten. Dank der vielen hilfreichen Tipps seines Vorgängers läuft die Pfarrübergabe reibungslos. Auch der Pfarrgemeinderat zieht nach dem ersten Jahr eine positive Bilanz. 

Höhepunkt dieser Jahre in Baumgarten ist schließlich das 100-Jahre-Jubeljahr 2008 mit der Überführung der Anna-Reliquie aus Rom, der neu organisierten Pfarrwallfahrt nach Mariazell („Jahrhundertwallfahrt“), dem 100-Jahre-Kirchweihfest mit Kardinal Schönborn und vielen weiteren Jubel-Veranstaltungen.

Die Anna-Reliquie aus Rom
Die Anna-Reliquie aus Rom

In beiden Pfarren – Baumgarten und Oberbaumgarten – wird es für einige Jahre zu einer lieben Tradition, dass eine nicht unbeachtliche Gruppe Reiselustiger in Begleitung des jeweiligen Pfarrers eine Sommerreise in die umliegenden Nachbarländer unternimmt.

 

Seit September 2009 steht Pfarrer Abrahamowicz Pawel Marniak, ein gebürtiger Pole, als Kaplan tatkräftig in Baumgarten zur Seite. Er ist Pallottiner und war zuvor als Seelsorger im SMZ Süd tätig. 

 

Im März 2010 und auch 2011 veranstalten die beiden Pfarren Baumgarten und Oberbaumgarten gemeinsam den Pfarrball. Es werden ein gelungene Abende. Auf der finanziellen Seite fallen die beiden Veranstaltungen leider eher mager aus.

Daher wird in der Folge nach neuen Konzepten für diese Veranstaltung gesucht.

 

In der Osternacht 2010 zelebriert der Baumgartner Kaplan Pawel Marniak in Oberbaumgarten den Auferstehungsgottesdienst.

 

 

 

 

 

Der Baumgartner Kaplan Marniak als "Rosenkavallier" am pfarrübergreifenden Ball.

 Im Rahmen des Palmsonntagsgottesdienstes 2012 lernen die Oberbaumgartner ihren neuen Aushilfskaplan kennen: Ambrose Olowo stammt aus Nigeria und wird neben seinem Studium 5 Jahre lang in der Pfarre aushelfen. Wenige Wochen später verabschiedet sich die langjährige Pastoralassistentin Martina Greiner-Lebenbauer, die in die Stabstelle zur Verhinderung der sexuellen Gewalt wechselt. Dieses wichtige Thema bekommt mit der neuen PGR-Periode einen besonderen Stellenwert, da in jeder Pfarre eine Ansprechperson zur Prävention solchen Missbrauchs ernannt werden muss. Die freie Stelle als Pastoralassistentin nimmt ein weiteres Mal Waltraud Söll an.

 

Im September 2012 erklärt der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, dass die Erzdiözese Wien eine neue Pfarrstruktur erhalten wird. Aus der Notwendigkeit durch Pfarrermangel und sinkenden Katholikenzahlen heraus wird die Tugend – inspiriert von der Apostelgeschichte: Das Leitbild der neuen Pfarren ist geprägt von der Ausrichtung auf Mission und Jüngerschaft, vom gemeinsamen Priestertum aller Katholiken, dem Entstehen neuer Gemeinden und der gemeinschaftlichen Leitung von Priestern und Laien. Pfarrverbände und Seelsorgeräume sollen Übergangsformen in neue Pfarren darstellen. In regelmäßigen Treffen auf Dekanatsebene und zwischen den einzelnen Pfarren wird dieser Reformweg diskutiert und das gegenseitige Kennenlernen erleichtert. Besonders die Verantwortlichen für die Jugendarbeit werden sofort kooperativ und laden gegenseitig zu Veranstaltungen ein. 

Der Beginn der Flüchtlingskrise 2015 geht an den Wiener Pfarren nicht vorüber. In den Tagen der dramatischen Zuspitzung Mitte September beziehen Papst Franziskus und Kardinal Schönborn Stellung: Wegschauen ist für einen Christen in dieser Situation nvorstellbar.

 

Als die Versorgung durch Behörden und auf den Bahnhöfen nicht mehr ausreicht, ruft die Caritas Wien alle Pfarren auf, dringend Notquartiere zur Verfügung zu stellen. Innerhalb weniger Stunden wird auch Baumgarten zur Herberge für Menschen auf der Flucht.

Am 13. September richten freiwillige Helfer Schlafplätze im Pfarrheim her. Pfarrer Abrahamowicz - obwohl erkrankt - harrt aus, bis die letzte, der Caritas zugesagte Matratze auf dem Boden liegt. Nur wenige Stunden später, mitten in der Nacht, treffen 60 Flüchtlinge in der Felbigergasse ein.

 

Im Baumgartner Notquartier wohnen für zwei Wochen flüchtende Familien und Einzelpersonen aus Syrien, Irak und Afghanistan. Das freiwillige Helferteam wird auf 3-Stunden-Schichten von 0 bis 24 Uhr aufgeteilt, um die Versorgung der Gäste sicherzustellen und ein reibungsloses Nebeneinander mit dem Kindergarten zu gewährleisten. Viele Pfarrmitglieder bringen Sachspenden, sodass bald ein Lager

an Kleidung, Hygieneartikeln und Spielzeug bereitsteht. Pfarrgruppen, die die Räumlichkeiten regelmäßig nützen, sowie der Kindergarten, kooperieren in vorbildlicher Weise und überlassen den Flüchtenden das gesamte Erdgeschoß des Baumgartner Pfarrheimes. Auch nach diesen zwei Wochen bleiben viele Pfarrmitglieder mit neu gewonnenen Freunden, die in Großquartieren in der näheren Umgebung untergebracht sind, über Jahre hinweg in regem Kontakt. Erfreulicherweise etabliert sich das Erwachsenenkatechumenat in

dieser Zeit zu einer Dauereinrichtung in Baumgarten.

 

In Oberbaumgarten findet zur selben Zeit das von langer Hand geplante 50-Jahr-Jubiläum der Pfarre statt. Es soll das ganze Arbeitsjahr überstrahlen. Mitte September wird ein gut besuchter Start-Gottesdienst mit vielen Ehrengästen gefeiert. Im Dezember der Tag der Kirchweihe. Zu dem sehr stimmungsvollen Fest bei Punsch und Maroni kommt auch der ehemaliger Pfarrer Georg Flamm als Gast. Die Festgottesdienste im Laufe des Jahres sind den vier Evangelisten einzeln bzw. allen vier Evangelisten gemeinsam gewidmet. Den Abschluss bildet eine sommerliche Festmesse mit Kardinal Schönborn.

 

Ab Oktober startet der erste Firmjahrgang, der pfarrübergreifend organisiert, aber weitgehend in der Pfarre Baumgarten abgehalten wird. In den letzten Jahren haben sich in Oberbaumgarten oft nur eine Handvoll Jugendlicher für die Sakramentenvorbereitung angemeldet. Der Wunsch vieler Jugendlicher, gemeinsam mit den Klassenkameraden zur Firmung zu gehen, steuert hier deutlich die Teilnehmerzahlen.

 

Das Startfest für den gemeinsamen Entwicklungsraum mit den Pfarrern und Kaplänen aus Oberbaumgarten und Baumgarten.
Das Startfest für den gemeinsamen Entwicklungsraum mit den Pfarrern und Kaplänen aus Oberbaumgarten und Baumgarten.

Die Pfarren Baumgarten und Oberbaumgarten bilden ab 29.11. 2015 gemeinsam den Entwicklungsraum „Dekanat 14 Mitte“. Im Laufe des nächsten Jahres gibt es mehrere gemeinsame PGR-Sitzungen der beiden Pfarren.

 

Im April 2016 feiern Baumgarten und Oberbaumgarten ein Startfest mit Gottesdienst und Besichtigung in der Kirche St. Leopold am Steinhof. Ungefähr 300 Menschen aus beiden Pfarrgemeinden sind der Einladung gefolgt.

 

Die am Pfingstmontag 2016 in Baumgarten abgehaltene pfarrübergreifende Firmung samt vorangegangener gemeinsamer Vorbereitungszeit ist ein weiteres Projekt der beiden Partner-Pfarren Baumgarten und Oberbaumgarten.

 

Die pfarrübergreifende Firmung am Pfingstmontag 2016 mit Firmspender Monsignore Leo Maasburg
Die pfarrübergreifende Firmung am Pfingstmontag 2016 mit Firmspender Monsignore Leo Maasburg
Pfarrer Abrahamowicz und sein langjähriger Kaplan und späterer Nachfolger Pawel Marniak
Pfarrer Abrahamowicz und sein langjähriger Kaplan und späterer Nachfolger Pawel Marniak

Tags davor, am Pfingstsonntag, informiert der Baumgartner Pfarrer Abrahamowicz seine Gemeinde über eine große Veränderung: Er wird auf Bitten Kardinal Schönborns mit 1.

September 2016 Moderator von St. Stephan in Baden. Zu seiner großen Erleichterung hat Kardinal Schönborn zugestimmt, Pawel Marniak, der mittlerweile seit sieben Jahren Kaplan in Baumgarten ist, zum Provisor der Pfarre Baumgarten zu ernennen.

 

Die Amtseinführung von Pawel Marniak findet am 25. September 2016 statt. An dem

Fest nehmen auch „die Partner“ - der Oberbaumgartner Moderator Pelc und eine Delegation seines Pfarrgemeinderates - teil.

 

Anfang Jänner 2017 ist Pfarrer Pawel gerade auf dem Rückweg von einigen Urlaubstagen in seiner Heimat, als ihn ein trauriger Anruf aus Baumgarten erreicht: In der Kirche ist eingebrochen worden, der Tabernakel zerstört, liturgische Gefäße sind gestohlen und die aufbewahrte Kommunion auf dem Boden verteilt. Abgesehen vom finanziellen Schaden bedrückt Pfarrer Marniak besonders die Schändung von Tabernakel und Allerheiligstem. Nachdem die polizeilichen Untersuchungen und die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen sind, feiert die Pfarrgemeinde von Baumgarten fast zwei Monate später die Einweihung des wieder hergestellten Tabernakels.

 

Im Frühling 2017 finden wieder Pfarrgemeinderatswahlen statt. Für Pfarrer Marniak beginnt damit die erste vollständige Periode als PGR-Vorsitzender.

Die konstituierende PGR-Sitzung der Pfarre Oberbaumgarten läuft allerdings etwas anders ab, als die neu gewählten Rätinnen und Räte sich vorgestellt hatten: Pfarrer Bogdan Pelc gibt seinen Abschied aus der Pfarre mit 1. September bekannt. Er wird in Baden bei Wien die Pfarre St. Christoph übernehmen. An den darauffolgenden Tagen informiert Pfarrer Pelc in jeder Messe die Gottesdienstbesucher.

Neun Jahre lang hat Bogdan Pelc die Pfarre Oberbaumgarten geleitet. Nun möchte er gehen, weil es ihm in dieser Zeit nicht möglich war, alles zu erreichen, was er sich vorgenommen hatte. Diese unerwartete Nachricht hinterlässt in der Pfarrgemeinde große Betroffenheit, Trauer, teilweise auch Unmut. 

 

Somit wird der Baumgartner Pfarrprovisor Pawel Marniak bereits nach einem Jahr mit einer zweiten Pfarre betraut: Er wird auch Provisor von Oberbaumgarten.

Pfarrer Bogdan Pelc mit seinem kurzfristigen "Nachbarn"

und späteren Nachfolger Pawel Marniak


In den ersten Monaten bekommt Pfarrer Marniak Hilfe von mehreren Aushilfskaplänen, was das Feiern der Gottesdienste in beiden Pfarren anbelangt. Für das vielfältige Pfarrleben in beiden Gemeinden ist er aber allein zuständig. Zur großen Erleichterung aller mitarbeitenden Personen wird im Dezember 2017 Rafal Bochen, ebenfalls ein polnischer Priester, zum Kaplan für beide Gemeinden ernannt.

Der Pfarrer von Oberbaumgarten und Baumgarten Pawel Marniak mit Aushilfskaplan Justin Makungu und Kaplan Rafal Bochen. Die beiden Kapläne wohnen im Pfarrzentrum Oberbaumgarten. 

 

Im Frühjahr 2018 erhalten die beiden Pfarren Oberbaumgarten und Baumgarten einen Brief von Bischofsvikar Dariusz Schutzki mit der Bitte um Stellungnahme zu einer gemeinsamen neuen Pfarre mit zwei Teilgemeinden, geleitet von Pfarrer Pawel Marniak.

Beide Pfarrgemeinderäte kommen dieser Bitte nach und sagen zu, bereit zu sein, mit diesem Projekt offiziell zu starten.

 

Das Arbeitsjahr 2018/2019 steht ganz im Zeichen neuen Pfarrgründung. Auf der gemeinsamen Klausur beider PGR-Teams im Herbst 2018 entsteht unter fachkundiger Anleitung von Stephan Lobnig, Mitarbeiter der Erzdiözese, der zeitliche Fahrplan mit all den notwendigen organisatorischen und pastoralen Vorbereitungsarbeiten. Die Pfarrgemeinderäte nehmen auch all die Namensvorschläge mit, die in den Wochen davor in beiden Gemeinden gesammelt worden sind. In unzähligen Wahlgängen wird – jeweils mit absoluter Mehrheit – ein Zehnervorschlag an möglichen neuen Pfarrnamen erstellt. Aus diesem Vorschlag wird Kardinal Schönborn einige Wochen

später den Erstgereihten auswählen: Pfarre Heilige Mutter Teresa.

Die beiden Pfarrgemeinderäte von Oberbaumgarten und Baumgarten auf der ersten gemeinsamen Klausur im Herbst 2018.

Im Dezember 2018 erhält Provisor Pawel Marniak schließlich das Dekret über die abgeschlossene Ausbildung und wird somit zum Pfarrmoderator der beiden noch selbständigen Pfarren Baumgarten und Oberbaumgarten ernannt.

 

Langweilig wird den Pfarrgemeinderäten in diesem Jahr nicht. Unzählige Vorbereitungen in Bereichen wie Finanz, Rechtsperson, Besitz und Eigentum, mediale Erscheinung, Pfarrleitung, Termin- und Gottesdienstabstimmung, Planung der Pfarr-Errichtungsfeier – um nur

einige zu nennen - werden gemeinsam mit dem Vis-a-vis der anderen Pfarre abgearbeitet.

 

Am 23. Juni 2019 ist es schließlich so weit: In der nunmehrigen „Pfarrkirche St. Anna der Pfarre Heilige Mutter Teresa“ wird mit Kardinal Christoph Schönborn ein Festgottesdienst gefeiert. Im Zuge dieser Feier wird die Pfarre Heilige Mutter Teresa gegründet, Noch-Moderator Pawel Marniak als „Pfarrer“ dieser Pfarre eingesetzt sowie Kaplan Bochen und Pastoralassistentin Söll in ihrem Dienst für

diese Pfarre bestätigt. Am Abend zuvor beginnen die Feierlichkeiten bereits mit einer Vigil in der Filialkirche „Zu den vier heiligen Evangelisten“: Hier erzählt Leo Maasburg aus seinen langjährigen Begegnungen mit Mutter Teresa. Danach wird das Logo der neuen Pfarre der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Franz Cadilek

Sabine Saminger

Erik Kroiher

Texte aus der Chronik der Pfarre Oberbaumgarten 

Bearbeitung: Gabi Moritz