Karfreitag: Ich sterbe, damit du lebst

'Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden' (Kor 15, 51). Von welcher Verwandlung ist da die Rede? Von der Metamorphose der Raupe zum Schmetterling, vom Phönix, der aus der Asche wieder ersteht? Nein, hierbei handelt es sich um die Verwandlung durch die große Liebe des Vaters und seines Sohnes, den er für uns geopfert hat, damit wir leben!

MY GOD, MY GOD, WHY HAVE YOU FORSAKEN ME, aus 'Fountain of Tears' von Rick Wienecke
MY GOD, MY GOD, WHY HAVE YOU FORSAKEN ME, aus 'Fountain of Tears' von Rick Wienecke

von  Manfred Kainrath

Fotos: Bao Vu Phan Quoc



 

Erinnern wir uns zurück an den gestrigen Abend. Nach dem großartigen Zeichen des Dienens und der Demut und der Einsetzung der Eucharistie kommt die Ernüchterung. Jesus wird - von einem seiner eigenen Jünger - verraten und im Garten Getsemani gefangen genommen. Was ist ihm seither nicht alles angetan worden?

 

 

Er wurde verhöhnt und verspottet, verleumdet und seiner Kleider beraubt, bespuckt und gequält, von einem zum anderen geschleppt, aufs Neue verhört, mit Dornen gekrönt und letztendlich gegeißelt, zum Tode verurteilt und gekreuzigt ...

 

 

 

Beim letzten Kreuzweg der vorösterlichen Zeit begleiten wir mit unserem Pfarrer Pawel Marniak unseren Herrn Jesus Christus auf seinem letzten und schwersten Weg. Um die dritte Stunde, also um 15:00 Uhr,  beugen wir wie viele Millionen Gläubige weltweit das Knie bei der zwölften Station: "Jesus stirbt am Kreuz".

 

 

Der Karfreitagsgottesdienst findet in einer stillen und schmucklosen Kirche statt, der Tabernakel ist leer und steht offen, keine Blumen schmücken den Altarraum, der Volksaltar zeigt sich ohne Tuch und Kerzen und der Corpus Christi ist verhüllt. Nachdem wir am Vortag ohne Segen entlassen wurden, beginnt der heutige Gottesdienst nahtlos daran anschließend: ohne Musik, ohne Glocken und ohne Gesang ziehen die Ministranten und Geistlichen ein. Während wir Mitfeiernden knien, legen sich Zelebrant Michael Weninger und unser Kaplan Rafal Bochen als Zeichen tiefster Demut auf den Boden und verharren minutenlang in tiefem Gebet.

 

In der Mitte des Triduums angekommen, hören wir nach den Lesungen die Passion nach Johannes, die in diesem Jahr wieder gelesen wird, begleitet von einfühlsamen Liedern, die der GOoD-News-Chor - natürlich ohne Instrumentalbegleitung - für uns und mit uns singt.

 

In seiner Predigt erläutert unser Mann aus dem Vatikan, der zu unserem Glück die Karwoche gern in der Heimat und damit auch bei uns in der Pfarre verbringt, wie bedeutungsschwer die letzten Worte Jesu "Es ist vollbracht" denn waren.

 

 

  • Sein irdisches Leben ist vollbracht. Nach 3 Jahren öffentlichen Wirkens, in denen er nur Gutes tut, wird er verhaftet, gefoltert, gemartert und letztendlich hingerichtet.
  • Der Wille des Vaters ist vollbracht. Nachdem Gott beschließt, selbst Mensch zu werden, nur um uns zu retten, erfüllt der Sohn voll und ganz den Willen des Vaters.
  • Das Heilsgeschehen ist vollbracht. Der Bund Gottes mit den Menschen, der durch die Lieblosigkeit der Menschen zerstört war, der Lieblosigkeit, die die Grundlage für die Sünden, ja die Todsünden war, dieser Bund wird durch die bedingungslose Liebe Jesu endgültig und auf alle Zeit wieder geschlossen, indem Christus all unsere Schuld aufs Kreuz mit sich nimmt. Er besiegt damit nicht nur die Sünde, er besiegt auch den Tod selbst.

 

 

Traditionell zu Karfreitag beugen wir zu den 10 großen Fürbitten die Knie und danach trägt Michael Weninger das Kreuz aus der Kapelle durch den Mittelgang vor den Volksaltar. Dreimal ruft er uns dabei zu "Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen", was wir mit "Kommt, lasset uns anbeten!" beantworten. Auf dem Weg zum Volksaltar enthüllt er den Corpus Christi. Die Geistlichen, die Ministranten und das Volk verehren das erhöhte Kreuz, jeder auf seine Art und Weise, viele haben Blumen mitgebracht, die für den festlichen Schmuck der Kirche zur Osternacht verwendet werden. 

 

Nach den Schlussworten versammeln wir uns noch vor der Kapelle mit dem Heiligen Grab zur Anbetung. Heute und auch morgen wird hier bei der Grabwache durchgehend gebetet und gesungen werden.

Auch wenn die Stimmung gedämpft ist, eines ist gewiss. Ob wir uns bereit fühlen oder nicht, würdig oder unwürdig, Jesus ist gekommen, um uns zu beweisen, wie groß Liebe sein kann. Und diese Liebe gilt genau UNS.

 

 

Wir müssen nur hingehen zum Kreuz und seine Liebe annehmen, denn im Kreuz ist das Heil.