Mariabrunnwallfahrt: Ein Hochgenuss mit Regenguss

Als vor Jahren der Radweg im Flussbett des Wientals eröffnet wurde, dachte in Baumgarten keiner an die Gelöbniswallfahrt nach Mariabrunn. Mittlerweile ist es zur Tradition geworden, im Mai diesen herrlichen Weg zu nutzen, um betend, singend, plaudernd oder Roller fahrend in den Westen zu pilgern.

von Manfred Kainrath

Fotos: Bao Vu Phan Quoc



Unser Pfarrer mit der neuen Lautsprecheranlage
Unser Pfarrer mit der neuen Lautsprecheranlage

Auf die Frage, warum die Pfarre St. Anna Baumgarten immer wieder nach Mariabrunn pilgert, antwortete unser Pfarrer Pawel Marniak im Vorfeld der diesjährigen Wallfahrt: „Die Marienwallfahrt nach Mariabrunn, eigentlich Gelöbniswallfahrt, ist als Dankwallfahrt entstanden. Als die Pest ausgebrochen ist, sind nur 4 Personen gestorben. Die Baumgartner haben das zum Anlass genommen, um nach Mariabrunn zu pilgern und dafür zu danken. In den letzten Jahren sind wir immer im September nach Mariabrunn gegangen, aber die Zahl der Pilger war immer kleiner (einige Wochen später haben wir die Mariazell Wallfahrt). Vor 3 Jahren haben wir beschlossen, diese Wallfahrt in den Monat Mai zu verlegen. So ist eine schöne Familienwallfahrt entstanden mit mehr als 100 Teilnehmern.“

Auf seine Erwartungen angesprochen, sagte Pfarrer Pawel Marniak, dass wir Gott danken wollen für alle Kinder, die Jugend, die Erwachsenen und die Senioren in unserer Pfarre, dass wir das Gelöbnis erfüllen und für die Zukunft unserer Pfarre beten … und, dass es trocken bleibt. Und so machten wir uns auch an diesem Sonntag im Mai auf zur 338. Gelöbniswallfahrt nach Mariabrunn.

Eines kann gleich vorweggenommen werden: Es wurden (fast) alle Erwartungen erfüllt.

Nach der Sonntagsmesse mit KIWOGO sammelte Pfarrer Pawel Marniak seine Baumgartner Schäfchen um sich und erteilte die letzten Instruktionen bezüglich Route und Gestaltung unserer Reise, die dank der neuen leistungsstarken mobilen Lautsprecheranlage bis zum Pfarrheim zu hören waren.

In einer mehr oder weniger auseinandergezogenen Menschenschlange pilgerten wir zunächst Richtung Wiental. Nach Überwindung der gefährlichsten Stellen (Ausfahrt des Drive-In McDonalds und der Hadikgasse) erreichten wir das Bett des Wienflusses. Voran das Kreuz, dahinter an die 100 Pilger: ein Ungeborenes, Babys, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, ein Seminarist, ein Pfarrer und 2 Hunde. Eine bunte, fröhliche Schar. Manche beobachteten besorgt die vorbeiziehenden Wolken, doch wenn Baumgarten wallfahrt, bleibt der Himmel trocken. So konnte man im Wiental Lieder, einen Rosenkranz und das Pfeifen der frischen Brise, die uns entgegenwehte, hören.

Nach knapp einer Stunde erreichten wir das erste Etappenziel, den Ferdinand-Wolf-Park, wo eine liebevoll bereitete Jause auf uns wartete. Nach der Stärkung trieb uns unter Androhung von Bußgeld unser Pfarrer jedoch bald wieder weiter.

Nun ging es den schmäleren Weg weiter den Wienfluss entlang, wo auch mit ein wenig Glück Graureiher zu beobachten waren. Schon bald tauchte der Kirchturm von Mariabrunn auf und wir erreichten unser Ziel. Nach einem schon obligatorischen Gruppenfoto feierten wir gemeinsam eine Maiandacht, in deren Gestaltung alle Generationen eingebunden waren, und danach war Zeit für Essen, Trinken und Plaudern. Ein hervorragendes kulinarisches Team sorgte dabei mit Getränken, Broten und Gegrilltem für das leibliche Wohl.

Damit kommen wir zum „fast“ zurück. Nachdem fast alle mit Speis und Trank versorgt waren, öffnete der Himmel seine Schleusen und überschüttete uns mit seinem nassen Segen. Das tat der guten Laune jedoch keinen Abbruch, denn der verbliebene Nachmittag wurde in den Pfarrsaal verlegt und nach einer halben Stunde lachte uns wieder die Sonne, die Kinder spielten Fußball und die Wallfahrt klang gemütlich und reich gesegnet aus.