Karfreitag: Es ist vollbracht


Am Karfreitag gedenken wir des Leidens und Sterbens Jesu.
Es ist der traurigste Tag für die Christen. Jesus wird verraten, angeklagt, zum Tod verurteilt, gemartert, gegeißelt, verhöhnt und stirbt am Kreuz - und das alles
aus Liebe zu uns!

von Christine Szedenik

Fotos: Georg Panny



Alles hatte so schön begonnen, mit Hosanna-Rufen und Palmzweigen wurde Jesus am Palmsonntag in Jerusalem von der Menschenmenge jubelnd empfangen. Viel erwarteten sie sich von ihm: er würde ihr neuer König sein, sie von den Römern befreien, würde dreinschlagen, für Ordnung sorgen …

Und dann kam alles anders. Jesus heilte die Kranken, half den Rechtlosen, den Armen, gab sich mit Sündern ab, predigte die Liebe und wies sogar die Schriftgelehrten zurecht, sagte, er würde den Tempel niederreißen und ihn in drei Tagen wieder aufbauen. Das war zu viel! Der Unbequeme musste weg, am besten noch vor dem Passah-Fest. Und sie haben es geschafft: Obwohl unschuldig, wird er vor Gericht gezerrt, zum Tode verurteilt, weil Pilatus Angst um sich selbst hat, um seine Karriere. Er wird zum Tod am Kreuz – eine der schlimmsten Todesarten – verurteilt, von seinen Freunden verlassen, ja sogar von einem von ihnen verraten, gemartert, gegeißelt, verspottet, muss den schweren Kreuzesbalken auf seinen geschundenen Körper laden und ihn bis Golgota schleppen. Er fällt unter dem Kreuz - einmal, zweimal, ein drittes Mal – mühsam steht er wieder auf, um das zu vollenden, was der Wille seines Vaters ist. Er wird ans Kreuz genagelt. Als er spürt, jetzt ist das Ende nahe, bezeugt er mit letzter Kraft: „Es ist vollbracht!“ Er hat seinen Auftrag erfüllt, sein Werk der Liebe, den Heilswillen Gottes vollendet. In seinen Kreuzestod hat er all unsere Sünden hineingenommen, damit auch wir – von den Sünden befreit – das ewige Leben haben. Und so wie er wissen auch wir, der Kreuzestod ist nicht das Ende. Hinter dem Dunkel geht die Sonne wieder auf! Beim Kreuzweg am Nachmittag des Karfreitags bei dem diese Leidensgeschichte betrachtet wird, begleiten über 100 Menschen Pfarrer Pawel Marniak und die Ministrantenschar von Station zu Station. Und es ist spürbar, wie betroffen alle sind. Unfassbar, was Jesus aus Liebe für uns getan hat.

Diese Stimmung ist auch deutlich bei der abendlichen Liturgie spürbar. Ganz still ist es, als der Baumgartner Pfarrer wieder begleitet  von unserem lieben Gast aus Rom, Michael Weninger, und der Assistenz in die Kirche einzieht. Der Altar ist abgedeckt, der Tabernakel offen und leer. Die Kerzen am Lichterkreuz brennen und das rote Licht leuchtet weithin sichtbar.
Als Zeichen der Verehrung, der Dankbarkeit aber auch der Trauer, legen sich die Priester ausgestreckt vor den Stufen zum Altar hin, eine sehr berührende Szene, die jedes Jahr aufs Neue zu Herzen geht. Dann kommen die Lesungen. Der Kirchenchor und einige wunderbar sensible Solisten singen eindrucksvoll die Passion und erzeugen bei vielen eine Gänsehaut. 

Starke Worte findet auch Michael Weninger in seiner Predigt: Er erläutert noch einmal eindringlich und plakativ diese unendliche Liebe Gottes zu uns Menschen, die so weit geht, dass er, der alles erschaffen hat, sich erniedrigt, sich zum Sklaven macht, diesen furchtbaren Tod seines Sohnes auf sich nimmt, ja sogar deshalb seinen Sohn in die Welt schickt, um uns alle zu erlösen. 

Danach kommen die Großen Fürbitten, bei denen für die Kirche, den Papst, die Bischöfe und Priester, die Katechumenen und die Einheit der Christen; für die Juden, für alle, die nicht an Christus glauben und für alle, die nicht an Gott glauben, für die Regierenden und die Notleidenden gebetet wird. 

In stiller Prozession holen die Priester und Ministranten dann das Kreuz vom Vorraum der Kirche

und tragen es nach vorne. Die Gläubigen haben nun die Gelegenheit zur Kreuzverehrung, viele bringen Blumen mit, berühren den Korpus, viele küssen die Füße von Jesus – alle aber sind ergriffen.

 

Es gibt am Karfreitag keine Eucharistiefeier. Nach dem Vaterunser wird die heilige Kommunion, die am Gründonnerstag dafür vorbereitet wurde, aus der Marienkapelle geholt und gespendet.  

Im Anschluss an den Gottesdienst haben alle noch die Möglichkeit zur Anbetung.
Sehr still und gedrückt geschieht das alles, die Traurigkeit ist spürbar.
Aber im Gegensatz zu den Aposteln seinerzeit wissen wir:  das ist nicht das Ende, der Ostersonntag naht!