Spiegelung der Liebe

Bei perfektem Prozessionswetter öffneten die Baumgartner zu Fronleichnam die Tore von St. Anna und zogen fröhlich singend durch die Straßen. Im Mittelpunkt standen diesmal die sieben Werke der Barmherzigkeit. Groß und Klein feierten begeistert mit.

von Rafael Riedler

Fotos: Ruth Kneringer, Rafael Riedler



Die Baumgartner sind keine Schönwetter-Christen, war an dieser Stelle schon oft zu lesen. Doch das heißt natürlich nicht, dass wir nicht auch bei perfektem Wetter unseren Glauben feiern und in die Welt hinaustragen. Am letzten Donnerstag des Wonnemonats Mai zeigte sich Petrus von seiner freundlichsten Seite und so stand einem fröhlichen Fronleichnamsfest nicht das geringste Wölkchen im Wege.

Bereits um 9 Uhr Früh versammelten sich Frauen und Männer – nicht wenige in Tracht – und natürlich zahlreiche Kinder in der Pfarrkirche, um dieses besondere Fest als Gemeinde gemeinsam zu begehen. Volksgesang und ein kleines, aber feines Ensemble sorgten für einen guten musikalischen Mix und viele gut ausgeschlafene Ministranten zierten den Altarraum.

 

In einer langen Schlange führte die traditionelle Prozession von der Kirche über den ersten von der Jugend gestalteten Altar im Klimtpark und die zweite Station im wunderschön neu angelegten Innenpark des Geriatriezentrums Baumgartens bis zum letzten Altar im Pfarrhofgarten, den die Jungscharkinder verziert hatten. Von Gitarrenklängen begleitet sangen Jung und Alt kräftig mit, während die vielen Mädchen im Feiertagskleidchen, aber auch einige Buben und natürlich die Erstkommunionskinder den Weg zu Ehren Jesu mit Blütenblättern bestreuten. Unter dem prachtvollen Himmel trugen Pfarrer Clemens Abrahamowicz und Kaplan Pawel Marniak abwechselnd das Allerheiligste gut sichtbar vor sich her, ist Fronleichnam doch das Fest des Leibes und Blutes Christi.

 

Im Mittelpunkt des gesamten Gottesdienstes standen die sieben Werke der Barmherzigkeit (Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke besuchen, Gefangene besuchen, Tote bestatten), die durch die sieben neuen Werke erweitert wurden und von Jugendlichen, Erwachsenen und Kindern in zum Nachdenken anregenden Dialogen in unsere Realität von 2016 geholt wurden. Haben wir nicht auch 1.000 Ausreden? Was geht es uns an, wenn Nachbarn einsam sind, Senioren traurig oder Flüchtlinge hungrig? Geld spenden ist ein Anfang, erfuhr die Gemeinde, aber dem Weg Jesu zu folgen, heißt noch viel mehr: unsere Zeit, unsere Empathie, unser Hinschauen und Zuhören sind ebenso gefordert wie materielle Hilfe. "Schau, Jesus, wie toll ich bin und was ich alles tue!", sind wir oft versucht, uns wichtig zu machen. Beim letzten Altar wurde durch eine kurze Szene klar, dass Jesus sich aber denen zuwendet, die sich nicht für würdig genug halten, an seinem Mahl teilzuhaben.

Kaplan Marniak hielt die Lunula, in der das Heilige Brot, der Leib Christi, in der Monstranz getragen wird, in die Höhe. Kleiner Mond bedeutet es übersetzt. In seiner Predigt erklärte Pfarrer Clemens Abrahamowicz, was das mit uns zu tun hat. Wie das kleine Mädchen, das Jesus wieder zum Leben erweckt, dürfen auch wir alles, was in uns tot und verdorrt ist, ihm anvertrauen, damit er unser Herz aus Stein in ein lebendiges Herz aus Fleisch wandelt. Der Mond strahlt nicht aus eigener Kraft, sondern durch das Licht der Sonne. Und so sind auch wir eingeladen, unser Herz wie einen kleinen Mond zu einer Spiegelung der grenzenlosen Liebe Gottes werden zu lassen. Das feiern wir zu Fronleichnam.

 

 

Nach mehr als zweieinhalb Stunden Liturgie begaben sich die Baumgartner bei inzwischen sommerlichen Temperaturen in den Pfarrheimgarten, wo bei Würsteln, Palatschinken und Bier noch lange weitergefeiert, geplaudert und gelacht wurde, während die Kinder mit Kaplan Pawel Marniak einen neuen Rekord beim Springen aufstellten. In ihren Augen konnte man viele kleine Monde strahlen sehen, denn Gott ist wohl immer mitten unter uns, und sei es in einer rosa Hüpfburg!