Alle können heilig sein

Am 4. 12. war die Pfarre Baumgarten sichtlich in Aufruhr. Lauter Kinderbänke waren nahe am Altar aufgestellt, um den vielen Kinder, die zur Kindermesse erscheinen würden, einen gemütlichen Sitzplatz zu ermöglichen. Diese Messe erforderte ganz besonders viel Vorbereitung und kreativen Einsatz, denn man erwartete hohen Besuch …

Etliche Warnschilder, Steine, Äste und Verkehrshütchen verstellen den Mittelgang der Kirche, als am Sonntagmorgen die Messbesucher zu den Sitzbänken gelangen wollen. Wozu diese Hindernisse wohl da sind? Leitlinien zeigen eine Straße an und ganz vorne, rechts vom Altar, steht bereits eine kleine Musikgruppe und singt sich ein. Bunt gemischt, mit Gitarre, Querflöte, Bassgitarre, Klavier, Blockflöten und Rhythmusinstrumenten bereiten sich die Musiker auf einige ganz neue Lieder vor, von denen später hoffentlich alle zum Mitsingen und Mittanzen bewegt werden!


Vermutlich ahnen die meisten Familien schon, dass Anfang Dezember hoher Besuch in der Kirche erwartet wird, Gerüchte sprechen sich ja schnell herum. Um diesen Besuch gebührend zu begrüßen, tummeln sich weit über 100 Kinder in den buntesten Winterjacken und Mützen bei Messbeginn auf den Kinderbänken herum! Unser Kaplan Pawel Marniak freut sich über den großen Ansturm und die vollen Sitzreihen bei der Kindermesse.


Er erklärt, dass es oft nicht leicht ist, in die Messe zu kommen oder zu Jesus zu finden. Gerade in der Adventzeit sind die Wege in die Kirche – und heute sogar der Weg in der Kirche – mit vielen Hindernissen verstellt. Die Wegweiser, die aufgestellt wurden, zeigen nicht zum Altar, sondern zum Ausgang. „Punschhütte“, „Einkaufszentrum“, „Christkindlmarkt“, „Einsamkeit“, „Trauer“ … vieles davon lässt uns manchmal den tieferen Sinn von Weihnachten vergessen und lenkt uns vom Beten und von Jesus ab.


Auch in unseren Herzen gibt es viele Steine, die wir beim Kyrie zuerst wegräumen müssen, bevor wir gemeinsam die heilige Messe feiern können. Also bittet Kaplan Marniak alle Kinder mitzuhelfen, die störenden Felsen, Äste und Verkehrshütchen wegzuräumen. Mit vereinten Kräften ist der Gang schnell wieder sauber und auch unsere Herzen rein, damit wir das gemeinsame Gebet aufnehmen können.


Worum geht es denn jetzt eigentlich an diesem 2. Advent? Wir möchten uns auf den Besuch eines Heiligen vorbereiten. Kaplan Marniak erzählt uns, dass der Heilige, der uns gleich besucht, sich sehr über Wasser freut. Er sei sehr lange durch die Wüste spaziert und habe sich nur von Heuschrecken und Honig ernährt. Also bauen die Kinder ihm zuliebe einen Fluss am Mittelgang – etliche Seidentücher werden ausgelegt und ein Wasserrauschen ertönt, als plötzlich ein großer Mann mit langen, dunklen Haaren zum Altar schreitet. Es ist der heilige Johannes!


Ein leises Raunen ging umher, die Kinder hatten sich wohl einen anderen (mit Geschenken ausgerüsteten) Heiligen erwartet. Doch auch der heilige Johannes bringt Geschenke. Er möchte uns helfen, Wegweiser zu finden, die zum Altar zeigen! Was zeigt uns während der Adventzeit den Weg zu Jesus? „Gemeinschaft“, „Hilfsbereitschaft“, „Bescheidenheit“, „Betlehem“, „Freude“, „Nächstenliebe“ … wenn wir diesen Dingen nachgehen, so werden wir den richtigen Weg zum Altar und zum Jesuskind finden.


Weil alle beim Aufstellen der neuen Wegweiser mitgeholfen haben, verspricht uns der heilige Johannes, sofort wieder in den Himmel zurückzukehren und zu berichten, wie fleißig wir uns darum bemühen, Jesus nahe zu sein. Vielleicht lässt sich ja so auch ein anderer Heiliger überreden, zu Besuch zu kommen. Währenddessen überlegen wir uns, welche Heiligen wir noch kennen. Wer kann aller heilig sein? Können auch so einfache Leute wie wir heilig sein?


Im mitreißenden Lied „Heilig sein“ erfahren wir, dass große Leute, kleine Leute, dicke Leute, dünne Leute, du und ich – einfach ALLE heilig sein können! Und zur Begeisterung aller singen heute erstmalig auch unsere jüngsten Solisten Pauli und Fabian unserer Pfarre vor, worauf es ankommt, wenn man heilig sein möchte. Jeder, der sich bemüht, Jesus nachzukommen, kann heilig sein! Tanzend werden diese Zeilen von den Kinderscharen in den ersten Reihen bestätigt.


Nachdem die Kinder mit voller Leidenschaft die ganze Messe hindurch fleißig mitgesungen und mitgetanzt haben, sich auch bei der Gabenbereitung ins Zeug legten und beim Vaterunser vollsten Einsatz zeigten, kündigt Kaplan Marniak eine süße Belohnung an. Nach der Messe sind alle Messbesucher, groß und klein, dick und dünn, mehr oder weniger heilig, eingeladen, sich bei einem ausgiebigen Palatschinken-Essen im Pfarrheim zusammenzusetzen und aufzuwärmen.


Doch das ist noch nicht alles! Unser Herr Kaplan kündigt tatsächlich noch einen weiteren Heiligenbesuch an! Die Hälser recken sich neugierig in die Höhe, als von hinten ein in rot gekleideter, bärtiger Mann mit einem Stock und einem großen, prall gefüllten Leinensack zum Altar schreitet. Der heilige Nikolaus ist da!


Wer bereit war, so viel Herzblut in die Mitgestaltung der Kindermesse zu stecken und sich von den Hindernissen der Adventzeit nicht den Weg zu Gott versperren zu lassen, ist auch bereit, vom Nikolaus besucht zu werden. Gemeinsam stimmen wir zwei Strophen des allseits bekannten Nikolausliedes an, bevor die Kinder endlich nach vorne zum Altar eingeladen und vom Nikolaus mit reichlich Süßigkeiten beschenkt werden.