Der Karfreitag steht im Zentrum des österlichen Triduums und führt uns in die tiefste Dimension des christlichen Glaubens.
von Christian Votava
Fotos: Wolfgang Ehrendorfer, Yvonne Schroeder, Katharina Votava
Was sich am Gründonnerstag bereits wie ein Schatten angekündigt hat, wird nun bittere Realität: Jesus wird verraten, gefangen genommen und einem Leidensweg ausgeliefert, der an Grausamkeit kaum zu übertreffen ist. Schritt für Schritt wird er gedemütigt, verspottet, gegeißelt und schließlich zum Tod am Kreuz verurteilt.
Mit jedem Moment wird er einsamer. Seine engsten Jünger schlafen ein, als er sie am dringendsten bräuchte. Und so steht er allein im Dunkel des Gartens Getsemani, allein vor dem Hohen Rat, allein unter der Last des Kreuzes. Sein Gebet „Lass diesen Kelch an mir vorübergehen“ zeigt seine Angst, und sein Schrei am Kreuz – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ – lässt uns erahnen, wie tief sein Leid wirklich war.
Diese Verlassenheit spiegelt sich in der Liturgie wider. Die Kirche wirkt heute ungewohnt karg: kein Blumenschmuck, keine Musik, keine Glocken. Der Tabernakel ist leer, der Volksaltar unbedeckt, das Kreuz verhüllt. Die Stille ist nicht nur hörbar, sie ist spürbar. Sie zwingt uns, uns dem Geheimnis dieses Tages zu stellen.
Doch mitten in dieser Schwere liegt bereits ein leiser Hoffnungston. Die Lesung aus dem Buch Jesaja deutet an, dass der leidende Gottesknecht nicht im Dunkel bleibt: „Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht.“ Auch die Passion nach Johannes, die den Wortgottesdienst prägt, führt uns durch das Leiden hindurch bis zum Grab – aber nicht in die Hoffnungslosigkeit.
Im Zentrum der Feier steht die Kreuzerhöhung und Kreuzverehrung. Das verhüllte Kreuz wird in die Kirche getragen und in drei Schritten enthüllt. In diesem Moment wird sichtbar, was uns Christen zum Siegeszeichen geworden ist: das Kreuz, an dem der Tod selbst besiegt wurde. Die Gläubigen treten vor, um es zu verehren – manche mit einer Berührung, andere mit einer Verneigung, viele mit Blumen, die ein wenig Farbe in die schlichte Kirche bringen und den ersten Funken Hoffnung entzünden.
Die Eucharistiefeier mit dem am Vortag konsekrierten Leib Christi beschließt den Gottesdienst. Ein Schlusssegen fehlt bewusst, denn der Weg geht noch weiter. Die Gemeinde zieht anschließend zum Heiligen Grab, um dort zu wachen und auszuharren.
Denn so dunkel dieser Tag auch ist: Wir wissen, dass er nicht das Ende bedeutet. Jesu Tod ist der Tod des Todes. Seine Hingabe hat die Sünde der Welt getragen und den Weg zur Erlösung geöffnet. Und schon bald – sehr bald – wird aus der Stille des Karfreitags der Jubel der Auferstehung hervorbrechen.





































































