Als die Baumgartner am Faschings-sonntag erwachten, waren die Dächer angezuckert wie köstliche Faschings-krapfen. Ein paar unserer Kids waren aber nicht nur deshalb aufgeregt. Auch die Agape hatte Besonderes zu bieten.
von Manfred Kainrath
Fotos:
Freunde der kulinarischen Bilderwelt
An diesem Faschingssonntag war einiges los in Baumgarten.
Dass es über Nacht geschneit hat, war zwar ein sichtbares Zeichen, dass der Winter doch noch nicht ganz vorüber ist, wurde vielleicht auch von den Autofahrern weniger begeistert aufgenommen als von den Kids. Aber – a propos aufgenommen – unter den Baumgartner Kids gab es ein paar, die nicht wegen des Schnees aufgeregter waren als gewöhnlich.
Es fand heute im Rahmen der Kindermesse die Jungscharaufnahme statt, so hatte unsere seit heute jüngste Gruppe mit dem starken Namen „Unschlagbare Schildkröten“ ihren ersten Auftritt in der Gemeinde-Öffentlichkeit.
Die Mitglieder, von den leider zwei nicht dabei sein konnten, wurden gesegnet, begleitet vom Chor der Baumgartner Singvögel, die, verlässlich wie immer, für die musikalische Gestaltung der Messe sorgten.
Seit heute können wir beruhigt mit offenem Feuer hantieren, da wir hervorragende Brandmeister in unseren Reihen haben, wie wir bei der Einleitung zur Lesung bemerken konnten.
By-the-way: Feuer ist gut UND Feuer ist böse und wen wundert das? Es ist wie bei den meisten Dingen, jede Medaille hat zwei Seiten. Das Feuer wärmt und es hilft Speisen zu garen (dazu kommen wir später noch ausführlich), aber wenn man nicht aufpasst, verbrennt man sich daran, oder ein Feuer gerät außer Kontrolle, wird zum Großbrand und vernichtet alles, was sich ihm in den Weg stellt. Leider müssen wir sehr häufig von verheerenden Waldbränden oder Großbränden nach Erdbeben aus den Nachrichten erfahren. Aber, dass wir Feuer mit Wasser löschen können, wurde auch umgehend bewiesen. Aber auch das Wasser kann mit seinen gewaltigen Kräften für Zerstörung sorgen.
So hörten wir auch in der Lesung aus dem Alten Testament, dass der Mensch die Wahl hat, Gutes zu tun oder Böses, helfend oder sündigend, mit dem Wasser ein Feuer löschen oder ein Land überschwemmen.
Wir haben die Wahl. Es ist unsere Entscheidung.
In der Predigt wollte unser Pfarrer von uns, aber vor allem von den Kindern wissen, ob sie in letzter Zeit Gutes getan haben, und sie hatten, reichlich.
Auch wenn Gutes niemals Schlechtes ungeschehen macht, ist es doch wichtig, dem Guten mehr Gewicht zu verleihen.
Dies wurde mittels einer Waage aus dem vorigen Jahrtausend demonstriert, deren rechte Waagschale sich unter der „Last“ der guten Taten – symbolisiert durch einen stetig wachsenden Berg an Herzen - schon sehr bald nach unten neigte, während das zerbrochene Herz (es stand für das Schlechte) hilflos in großer Höhe hing.
Diese Kindermesse wurde – da in ihr auch die diesjährige Jungscharaufnahme stattfand – standesgemäß mit der Jungschar-Hymne „Es ist schön solche Freunde zu haben“ beendet.
Damit begann der Teil der Lukullischen Genüsse.
Mitglieder unserer Teilgemeinde ließen keine Wünsche offen und kochten wunderbare Gerichte aus der jeweiligen Heimat. Von Suppe über verschiedenste Hauptspeisen zum kalorienreichen Nachtisch war alles da. Die Betonung liegt auf „war“, da es nicht lang dauerte, bis die Pfannen leer, die letzten Brösel von den Tellern geschleckt und der Suppentopf nur noch mit Luft gefüllt war.
Nach unserem – ausgeborgten – Motto „Service is our success“ gibt es hier für alle, die zu kurz gekommen sind, aber auch für die, denen die eine oder andere Speise besonders geschmeckt hat, den Versuch, mit den Rezepturen zum Nachkochen einzuladen.
Natürlich beginnen wir mit der Suppe:
Name: Josefisuppe (nicht benannt nach unserem neuen Erzbischof, sondern nach dem heiligen Josef)
Herkunft: Österreich (vor allem in Tirol, Steiermark und Kärnten, wo ebenjener Josef Landespatron ist)
Zutaten (zirka): Erdäpfel, Lauch, Olivenöl oder Fett, Weißwein, Suppe, Obers, Salami, Gewürze (Salz, Pfeffer) und eventuell noch mehr (diese Suppe wurde teilweise auch mit den Überresten der Wintervorräte zubereitet), ein Schuss Weißwein
Zubereitung: Ist, glaube ich, mit dem richtigen Gefühl selbsterklärend: mit dem Öl, dem Lauch und fein geschnittenen Erdäpfeln beginnen, der Weißwein gehört in die Suppe,
garkochen, pürieren.
Salami (wie auch die anderen nicht mundgerechten Zutaten) zerkleinern und rösten.
Machen wir einen großen Sprung über die höchsten Berge der Welt und kommen nach Vietnam.
Dort isst man gerne Hühnercurry und das sieht so aus:
Name: Ca ri ga (vietnamesisches Hühnercurry)
Herkunft: Vietnam
Zutaten: Hühnerfleisch, Erdäpfel, Karotten, Kokosmilch, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Zitronengras, Curry.
Von Mengenangaben sieht der vietnamesische Meisterkoch ab, er hat das natürlich im Gefühl. Dass Erdäpfel und Hühnerfleisch nicht roh serviert werden, versteht sich von selbst. Schneide alles in mundgerechte Stücke, brate das marinierte Hühnerfleisch mit jeder Menge Zitronengras an und lass alles in der Kokosmilch weich köcheln.
Wem diese Vorgehensweise zu unsicher ist, kann sich über Ca ri ga auch im Internet schlau machen. Sogar die KI (=kochende Intelligenz) kann mit einem passenden Rezept aufwarten.
Auf dem Weg zurück nach Europa machen wir einen Halt in Israel:
Name: Kztitzot mit Chala
jüdische/israelische Rindfleischbällchen in eigenen Saft und Tomatenkraut und Weißbrot
Zutaten:
Für die Soße: Kraut, Tomaten, Weißkraut, Zwiebeln, hausgemachter Tomatensaft, Salz, Ől, Kümmel gemahlen, Paprikapulver
Für die Rindfleischbällchen: faschiertes Rind- oder Lammfleisch, Eier, Zwiebeln, Gewürze (israelische, am besten passende)
Zubereitung: Fleischbällchen formen (natürlich, nachdem man das Faschierte mit sämtlichen Zutaten vermischt hat). Das Ergebnis zur Seite legen. Wir beginnen mit dem Öl, nach und nach die Zutaten nach deren Kochzeiten zugeben und das ganze mit den Bällchen köcheln lassen. Wenn es fertig ist, mit dem Chala (Weißbrot) verspeisen
Jetzt geht es weiter über den Balkan, wo wir mal in Bosnien Station machen.
Name: Pita Sirnica (Topfenstrudel, pikant)
Voraussetzung: gezogener Strudelteig
Jetzt sind wir schon geübt und können Zutaten und Zubereitung zusammenfassen:
2 kg Altwiener Speisetopfen, 5 Eier, 2 TL Salz, 250 ml Sauerrahm, 100 ml Öl, 50 ml Wasser gemeinsam vermengen.
Was dabei entstanden ist, auf dem Strudelteig verteilen (gleichmäßig, wenn geht) und von links und rechts zur Mitte rollen.
Das Ganze auf ein geöltes Backblech legen oder zu einer Schnecke rollen.
Im vorgeheizten Backrohr bei 200° C 35-40 Minuten backen.
Wer mehr auf Erdäpfel steht, für den eignet sich diese Variante:
Name: Pita Kromirusa (Erdäpfelstrudel, pikant)
Voraussetzung: gezogener Strudelteig
Zutaten und -bereitung:
2 kg Erdäpfel schälen, waschen, dann raspeln, mit 1 ½ TL Salz mischen und etwas stehen lassen,
den Saft ausdrücken
Die ausgedrückte Masse mit 2 Eiern, 1 ½ TL Vegeta, ½ TL Pfeffer, 50 ml Öl vermengen.
Auch hier das Entstandene auf dem Strudelteig verteilen (gleichmäßig, wenn geht), bei Bedarf etwas nachölen und von links und rechts zur Mitte rollen.
Das Ganze auf ein geöltes Backblech legen oder zu einer Schnecke rollen.
Im vorgeheizten Backrohr bei 200° C 35 - 40 Minuten backen.
Vor dem Servieren je nach Wunsch mit Sauerrahm garnieren, oder auch nicht.
Um nicht die Speisenfolge durcheinander zu bringen, biegen wir kurz in die Schweiz ab, wo bekanntlich der Käse erfunden wurde, oder so.
Name: Schweizer Käsespätzle
Dieses Rezept ist nicht nur denkbar köstlich, sondern auch einfach:
Spätzle machen: Milch, Mehl, Sauerrahm und Salz in vernünftigem Verhältnis zu einem zähflüssigen Teig mischen und in Spätzleform in kochendem Wasser fertig machen.
Die Spätzle mit reichlicher Menge an dreierlei geriebenen Käsesorten veredeln und mit Röstzwiebel garniert servieren.
Wir kehren wieder auf den Balkan zurück und legen noch einen Halt in Kroatien ein.
Speisentechnisch haben wir die Hauptspeisen verlassen und beginnen mit dem Nachtisch.
Name: Čupavci – (Kokoswürfel)
Zutaten
Für den Teig: 5 Eier, 200 g Zucker, 1 P. Vanillezucker, 300 g Mehl, 1 P. Backpulver, 200 ml Milch, 100 ml Sonnenblumenöl
Für den Überzug: 250 g Butter, 300 g Block-Schokolade (gehackt), 500 ml Milch, 200 g Kokosraspeln zum Wälzen
Zubereitung (das ist nicht ganz so einfach, daher ausführlicher)
- Backofen auf 180 Grad vorheizen.
- Backblech mit Backpapier belegen.
- Die Eier schaumig schlagen.
- Zucker und Vanillezucker unter Rühren dazugeben.
- Mehl mit Backpulver mischen und abwechselnd mit der Milch und Öl unter den Teig rühren.
- Teigmasse auf das Backblech geben und gleichmäßig verteilen.
- Nach ca. 20 Minuten Backzeit (Stäbchentest!) das Backblech aus dem Ofen holen und leicht abkühlen lassen.
- Für den Überzug Butter, Schokolade und Milch in einem Topf schmelzen (erwärmen, aber nicht kochen!).
- Kokosraspeln in eine flache Schale füllen.
- Den Kuchen in Würfel oder Quadrate schneiden, mit einer Gabel in die Schokoladenmischung tunken und anschließend in Kokosraspeln wälzen und auf Backpapier ungefähr eine Stunde trocknen lassen.
Wir lassen Österreich derweilen noch links liegen und machen einen Abstecher ins Land der Elche und/oder der Trolle, nach Schweden. Vetelängd ist keine Wandregal und man benötigt zur Zubereitung keinen Imbus-Schlüssel, es ist ein Zimtzopf (Sagt dieses Wort schnell 20-mal hintereinander 😉!)
Name: Vetelängd (schwedischer Zimtzopf)
Zutaten
Für den Teig: 500 g Mehl (Type 550 oder Dinkelmehl), 250 ml lauwarme Milch, 75 g weiche Butter,
75 g Zucker, 1 Päckchen frische Germ, 1 TL gemahlener Kardamom (unverzichtbar für den authentischen Geschmack!!), 1 Prise Salz, 1 Ei, Hagelzucker
Für die Füllung:
100 g weiche Butter, 50 g Zucker, 2 EL Zimt
Zubereitung
Hefeteig vorbereiten:
Die Germ in der lauwarmen Milch auflösen. Eine Prise Zucker hinzufügen, um die Germ zu aktivieren.
In einer großen Schüssel Mehl, restlichen Zucker, Kardamom und Salz vermischen. Die Hefemilch und die weiche Butter hinzufügen. Alles zu einem glatten, elastischen Teig verkneten, bis er sich vom Schüsselrand löst (ca. 8 - 12 Minuten).
Den Teig abdecken und an einem warmen Ort für ca. 30 - 60 Minuten gehen lassen, bis er sich sichtbar vergrößert hat.
Füllung herstellen und Teig formen:
Für die Füllung die weiche Butter mit Zucker und Zimt zu einer Paste verrühren.
Den aufgegangenen Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem Rechteck (ca. 25x50 cm) ausrollen.
Die Zimtbutter-Füllung gleichmäßig auf dem Rechteck verteilen, dabei einen kleinen Rand freilassen.
Zopf flechten:
Den Teig der Länge nach in drei gleich breite Streifen schneiden. Alternativ kann man den ganzen Teig zu einer Rolle aufrollen und diese dann in Scheiben schneiden, um einzelne Zimtschnecken zu erhalten.
Die drei Streifen zu einem Zopf flechten. Die Enden gut zusammendrücken und unter den Zopf schlagen.
Den geformten Zopf auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech oder in eine Kastenform legen.
Gehen lassen und backen:
Den Zimtzopf abdecken und nochmals 20 - 30 Minuten gehen lassen.
Den Backofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen.
Den Zopf mit verquirltem Ei bestreichen und, falls gewünscht, mit Hagelzucker bestreuen.
Für 30 - 35 Minuten goldbraun backen.
Zurück in der Heimat gibt es zwei typische Nachspeisen, deren Rezepte sich jeder gern selber besorgen kann 😊
Name: Faschingskrapfen
Zutaten: Krapfen und Marillenmarmelade (nur damit sind es echte Faschingskrapfen)
Zubereitung: das Einspritzloch suchen und hineinbeißen (Ups, das ist ja schon der nächste Schritt)
Name: Sachertorte, die, original
Anstelle des lange Zeit streng geheimen Rezeptes erfahrt ihr hier etwas über deren Entstehung.
Nur 14 Jahre nach dem Welterfolg „Stille Nacht, heilige Nacht“ erfand der 16-jährige Wiener Kochlehrling Franz Sacher diese Torte im Jahr 1832, bis zum Ende der 1840er Jahre wurde diese dann von seinem Sohn Eduard verfeinert.
Wäre nicht der Küchenchef von Fürst Metternich erkrankt und hätte nicht der Fürst trotzdem auf eine erlesene, ausgefallene und wenn möglich neue Süßspeise bestanden und wäre Franz nicht für ihn eingesprungen, wären wir wohl um eine traditionsreiche Wiener Köstlichkeit ärmer.
Zum Abschluss begeben wir uns noch einmal auf den Balkan und befassen uns mit der Kalorienbombe schlechthin.
Name: Hurmаšice, die bosnische Cousine von dem Baklava
Ähnlich, aber doch verschieden, sowohl was den Teig, die Form und die Struktur betriff, aber gleich, was die Gefahr eines Zuckerschocks betrifft
Für den Teig: 250 g Butter zimmerwarm, 120 g Zucker, 2 Eier, 150 ml Joghurt, 1 TL Backpulver, 450 –500 g Mehl, Optional: 50 g gemahlene Walnüsse für zusätzlichen Geschmack
Für den Sirup: 600 ml Wasser, 400 g Zucker, 1 Zitronenscheibe
Teig vorbereiten:
Butter und Zucker cremig verrühren. Eier und Joghurt zugeben und gut mischen.
Trockene Zutaten einarbeiten:
Mehl mit Backpulver mischen und portionsweise einarbeiten, bis ein weicher, formbarer Teig entsteht.
Hurmašice formen:
Kleine ovale Formen rollen, leicht flach drücken und mit einer Gabel ein Muster eindrücken.
Backen:
Auf ein Backblech legen und bei 180°C (Ober-/Unterhitze) ca. 25 Minuten goldbraun backen.
Sirup kochen:
Wasser, Zucker und Zitronenscheibe aufkochen, 5 Minuten köcheln lassen.
Tränken:
Die warmen Hurmаšice mit warmem Sirup übergießen. 2 – 3 Stunden – oder über Nacht – ziehen lassen.
Viel Vergnügen beim Ausprobieren, hoffentlich gelingt's und schmeckt's!
Die großzügigen Spenden kommen dem Hilfsprojekt „Concordia“ von Pater Sporschill in der Ukraine zugute.
Vielen Dank!




























































