Wer wäscht gerne fremde Füße?

Blick auf Jerusalem vom Ölberg aus
Blick auf Jerusalem vom Ölberg aus

Und wieder ist die Fastenzeit – die 40-tägige Vorbereitungszeit auf das Osterfest - wie im Flug vergangen und mit dem heutigen Gründonnerstag beginnt das Triduum Sacrum. Sind wir bereit dafür?

 

von Manfred Kainrath
Fotos: Piroska Kainrath, Barbara + Christina Völk, Otto Troger, Martina Strigl



Es sind die wichtigsten Tage der christlichen Welt, es wird uns in diesen Tagen so viel geschenkt, ohne diese Tage hätte unser Glaube wohl keinen Sinn.

 

Heute gedenken wir der Einsetzung zweier Sakramente, eines davon fand im Rahmen eines gemeinsamen Abendessens der Jünger mit Jesus statt, wie es sicherlich bereits viele vorher gegeben hat. Jesus aber nützt dieses – später als „letztes“ in die Geschichte eingegangene – Abendmahl, um uns sich selbst zu schenken, seinen Leib und sein Blut.

 

Es fällt aber auch der erste Schatten des kommenden Leidensweges auf dieses Abendmahl, denn es gibt einen Verräter unter den Aposteln. Dies soll uns auch bewusst machen, dass niemand vor der Versuchung gefeit ist, man denke nur an Petrus und seinen Hahn, aber gleichzeitig dürfen wir immer auf Jesu Vergebung bauen. 

 

 

Pfarrer Pawel Marniak, der den ersten Teil des Triduums gemeinsam mit Michael Weninger und Diakon Daniel Schmitt in der Gemeinde Baumgarten zelebriert, erklärt gleich zu Beginn der Feierlichkeiten, dass wir am heutigen Tage äußerliche Zeichen erhalten werden, Zeichen für die Liebe Jesu. In Oberbaumgarten leiten Pfarrvikar Wolfgang Unterberger und Kaplan Moses

Mgimiloko die Feier. 

 

 

Letztendlich sind die Sakramente die äußerlichen Zeichen der Kirche für die Liebe Gottes.

 

Der Pfarrer stellt uns auch die Frage, wovor wir uns gerne drücken, was wir nicht gerne machen, denn das ist es auch, was mit der Fußwaschung ausgedrückt werden soll: Jesus macht etwas, was keiner gerne macht, was eigentlich die Arbeit von Sklaven war.

 

Wem würden wir gerne die Füße waschen?

 

Nachdem der letzte Gloria-Ruf samt imposanter Orgelbegleitung und dem Geläut aller verfügbarer Glocken verklungen ist und sich sowohl die Glocken als auch die pflegebedürftigen Orgelpfeifen auf den weiten Weg nach Rom gemacht haben, hören wir die Worte der Heiligen Schrift, die am Gründonnerstag sehr intensiv sind.

 

 

Von der Ankündigung des Pessach Mahls aus dem Buch Exodus, über die Einsetzung der Eucharistie im Korintherbrief zum Liebesbeweis Jesu, der Fußwaschung im Evangelium. Während im Alten Testament der strafende Gott verheerend unter den Ägyptern wütet, so wird im neuen Bund die Liebe in den Vordergrund gestellt und Jesus trägt uns auf, „liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“.

 

In seiner Predigt geht unser Diakon Daniel Schmitt auf all das ein. Mit der Fußwaschung, die die Jünger zunächst überhaupt nicht verstanden, zeigt Jesus ihnen, wie sehr er sie liebt, wie wichtig es ist, demütig zu sein und ermuntert sie, seinem Beispiel zu folgen: „Wenn ich euch die Füße gewaschen habe, das sollt auch ihr einander die Füße waschen.“ Diakon Daniel vergleicht dieses äußere Zeichen der Demut mit den Festmahlen seiner Kindheit bei seiner Großmutter, die mit der Hingabe beim Kochen ihre Liebe auszudrücken versuchte. 

 

Nachdem die Gaben in Form eines wunderschön geformten Brotlaibs und Weintrauben und den von unserem Kardinal gesegneten heiligen Ölen vom Priester in Empfang genommen werden, erfahren wir Gläubigen einmal mehr das Wunder der Eucharistie ("Und das ist heute!"), von dem wir an diesem Abend schon so viel gehört haben.

 

So wie Jesus vom Abendmahlsaal auf den Ölberg zog, um zu beten, ziehen auch wir mit dem Allerheiligsten zu einem seitlichen Altar, beim dem wir noch einige Zeit in Gebet und Gesang verweilen.